bekloppte berliner-zeitungs-leser

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Am Geisteszustand der Leserjury der Berliner Zeitung muss man ernstlich zweifeln. Sie hat ihren Forum-Preis „Power Trip“ zuerkannt, einem exotistischen Ami-Dokumentarfilm über die Energiekrise in Georgien. Das Thema ist eigentlich interessant: ein amerikanischer Energiekonzern hat Anfang der 90er Jahre den staatlichen Stromversorger Georgiens gekauft uns schlägt sich seitdem mit seinen Kunden rum, die es nämlich gar nicht gewöhnt sind, für ihren Strom Geld zu zahlen – schon gar nicht halbe Monatsgehälter. Die Amis schalten daraufhin säumige Zahler ab. Sehr lustig sind die abentuerlichen – und lebensgefährlichen – Kabelführungen quer durch die Wohnblöcke, die unisolierten Abzweigungen, die ganzen sozialistischen und postsozialistischen Provisorien. Leider nur hat der Herr Filmemacher ein großes Verständnis für die Strommanager, die Probleme der Bevölkerung scheinen ihm eher schnurz zu sein, so lange sie ihm nicht pittoreske Bilder über ein fernes, fremdes Land liefern. Manchmal fährt man auch übers Land und filmt schöne Kirchen, besucht eine arme, fröhliche Bauernfamilie, legt perlende Musik drunter und bringt – wie auch mit Landkarten – so den offenkundig ignoranten Ami-Zuschauern das schöne Georgien näher. Ignorant wie der Filmemacher selbst, der derart auch einen Dia-Abend sehr schön gestalten könnte. Pfui Teufel! Umso bizarrer, dass dieselben Leute, die diesen Film am Sonntagvormittag gekürt haben, vermutlich am Sonnnabend gegen Bushs Imperialismus auf die Straße gegangen sind. Imperialistische Filme aber finden sie gut.