Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

The Saddest Music in the World

Die Geschichte von The Saddest Music in the World von Guy Maddin ist so schräg wie das theatralisch-künstliche, meist schwarzweiße Winnipeg der großen Depression, in dem es meistens Kunstschnee schneit, und wo Häuser und Straßenbahnen wie Karrikaturen aussehen: die beinamputierte Bierhallenbesitzerin Lady Port-Huntley lässt im Radio den Wettbewerb um die traurigste Musik der Welt ausrufen. Neben Ensembles, die aus aller Welt anreisen (und die, wie im Abspann zu lesen ist, alle wirklich Musiker sind), finden sich auch Fyodor Kent und seine zwei Söhne Chester und Roderick ein, die sich seit Jahren nicht gesehen haben. Es stellt sich heraus, dass Fyodor und Chester am Verlust von Lady Port-Huntleys Beinen beteiligt waren. Chester ist ein großer Zyniker, der nur wegen des ausgelobten Preisgeldes beim Wettbewerb mitmacht, während Bruder Roderick um seinen toten Sohn und seine verschwundene Frau trauert. Weiter sind beteiligt: Narcissa, Geliebte von Chester, die ein inniges Verhältnis zu ihrem Bandwurm pflegt, gläserne, biergefüllte Beinprothesen, die auch schon auf dem Plakat zu sehen sind, ein Bierpool, in den die Sieger jeder Wettbewerbsrunde über eine Rutsche rutschen sowie Mary und Duncan die beiden Radiosprecher, die das Geschehen so absurd kommentieren, dass noch die traurigste Musik nur komisch wirken kann.

Es geht es um echte und falsche Traurigkeit, um die Möglichkeit, dass Traurigkeit enden könnte, um Manipulation und Sehnsucht. Übrig bleiben am Schluss die große, nicht endende Traurigkeit gemischt mit einer winzigen Prise Optimismus und ein Ohrwurm – das ist kein Wunder, denn "The Song is You" kommt im Film in zehn verschiedenen Versionen vor. Das Beste an diesem Ergebnis ist, dass die Traurigkeit im Film bleibt – die Absurdität der Darstellung verhindert zuverlässig, dass die Zuschauerin von diesem Film selber traurig werden kann.

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