Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Fräulein

Fräulein ist ein Film, den am Samstag abend im Eiszeit-Kino dreimal so viele Frauen wie Männer anschauen. Ob das Wort in der Schweiz, wo der Film spielt, noch vorkommt? Mir fällt da gleich wieder ein, wie es in Metzingen (Württemberg) abgeschafft wurde. Da gab es 1973 – dem Jahr, als ich aufs Gymnasium kam – irgendeinen Erlass, keine Ahnung, ob auf Landes- oder Bundesebene, ob beim baden-württembergischen Kultusministerium, oder wo auch immer, dass alle Frauen, unabhängig vom Familienstand mit Frau angesprochen werden sollen. Es gab damals am Gymnasium Metzingen zwei ältere alleinstehende Lehrerinnen kurz vor der Pensionierung, bis dato Fräulein Schneider und Fräulein Schramm. Mit diesem Erlass wurde die Anrede von einer Klasse auf die nächste geändert und uns stellten sich die Damen – meine neue Klassen- und Biologielehrerin – als Frau Schneider und Frau Schramm vor. Das hat jetzt mit dem Film nichts zu tun, auch da kommt die Anrede eigentlich nur einmal vor, als die Apothekerin der Protagonistin den Verkauf eines verschreibungspflichtigen Medikaments verweigert.

Ruza ist die Chefin einer Betriebskantine – Restaurant steht außen – sie ist vor über 20 Jahren aus Belgrad in die Schweiz gekommen und hat es gewissermaßen geschafft. Ganz aus eigener Kraft, wie gleich deutlich gesagt wird, als sie sich von einem Lieferanten auch keine Kleinigkeit schenken lässt. Ana ist Anfang 20 und kommt aus Sarajevo, es wird eigentlich gar nicht so richtig klar, weshalb und was sie dort will. Man erfährt relativ schnell, dass sie krank ist, kann aber höchstens raten, was sie hat. Sie gerät zufällig in die Kantine von Ruza und bleibt um dort zu arbeiten. Die Dritte ist Mila, sie arbeitet schon von Anfang an bei Ruza, fürchtet ihr strenges Regiment – wie auch der andere Angestellte und irgendwie auch die Gäste. Milas Mann baut seit Jahren an einem Haus in Kroatien, in das sie "zurückkehren" werden, sobald sie in Rente gehen. Ana ist ein ziemlich fremdes Element im alteingespielten Kantinenteam, sie ist freundlich und lustig, hat überhaupt keine Angst vor Ruza und bringt die anderen dazu, eine Geburtstagsparty für die Chefin vorzubereiten. Klar, dass Ruza das erst ablehnt und dann doch auftaut.

Die Handlung ist unspektakulär, aber sehr schön anzusehen: sehr unterschiedliche Frauen lernen einander kennen und kommen sich näher. Schön ist, dass es nicht einfach platt so ist, dass irgendwie alle voneinander lernen, sondern dass es die beiden älteren sind, deren Leben sich durch den Einfluss der jungen Frau noch einmal ziemlich verändert.

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