Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Unser täglich Brot

Wir hätten schon vor dem Kino den Wochenendeinkauf erledigen sollen, Unser täglich Brot macht das nicht gerade leichter. In überraschend ästhetischen, teilweise sehr ansprechenden Bildern wird die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln gezeigt – nicht die Verarbeitung, von der ja schon zu vermuten wäre, dass es dort eklig zugeht – einfach die Grundlagen: Landwirtschaft mit riesigen Maschinen, Tierproduktion, dazwischen immer wieder die Menschen, die in dieser Industrie arbeiten und Pause machen. Frauen mit Pausenbroten und Kaffeebechern, die einfach in die Kamera schauen, essen und ab und zu einen Schluck Kaffee nehmen. Später sind auch mal mehrere Menschen zu sehen, afrikanische junge Männer kochen Reis, andere machen ein Pause zwischen Bäumen und sehen ganz vergnügt aus.

Es gibt im Film keine Kommentare, keine manipulative Musik, die mich in Dokumentationen immer so ärgert, nur die Geräusche der Tiere und der riesigen Maschinen. Manche Bilder sind lustig, wie die Olivenbaum-Schüttelmaschine oder wunderschön, wie das Sonnenblumenfeld – über das dann aber gleich das ebenfalls sehr schön passend gelbe Giftsprühflugzeug fliegt – oder die hohen gestreiften Wände im Salzbergwerk.

Dass Massentierproduktion bedenklich ist, ist ja nun wirklich nicht überraschend, auch in diesem Film wirft die Respektlosigkeit, mit der mit den Tieren umgegangen wird, ein ziemlich unangenehmes Bild auf die Menschheit, die einen solchen Umgang für angemessen hält. Faszinierend dabei ist, dass sich das Unbehagen voll und ganz auf die Produktionsstätten bezieht und nicht auf die Menschen, die darin arbeiten, die uns in ihren Pausen mit Stullen begegnet sind. Diese Stullen sind es, die verhindern, dass der Film unangenehm moralisch werden könnte.  

Fast genauso unheimlich wie die Tierproduktion und -beseitigung sind übrigens die Nebenwirkungen der Obst- und Gemüseproduktion: ausgesprochen unergonomische Arbeitsplätze (Spargelstechen, kniend hinter einer Salaterntemaschine herrutschen), Gifteinsatz, den die Leute nur mit Ganzkörperschutz und Gasmasken vornehmen können, riesige Monokulturen oder gleich ganze Landschaften, die unter Plastikplanen verschwinden.

Offen bleibt nach dem Film, was wir denn jetzt außer Oliven und Salz mal essen sollen.  

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