Berlinaleblog

69. Berlinale, 7.-17. Februar 2019

Kleines Kino im Wettbewerb: Happy-Go-Lucky

PoppyPoppy ist die Frohnatur aus dem Titel: 30, unerhört gut gelaunt, witzig, bunt, nicht annähernd dabei erwachsen zu werden – und geht manchen damit auf die Nerven. Vielleicht ist ihnen so viel Frohsinn auch einfach nur unheimlich. Sie wohnt mit ihrer Freundin zusammen, geht gerne aus, ist Grundschullehrerin und auch im Job lustig und beliebt. Einen Mann gibt es nicht. Außerdem versucht sie Fahrstunden zu nehmen, bei einem sich von der Welt verfolgt fühlenden Fahrlehrer mit merkwürdigen Lehrmethoden.

Es gibt eigentlich keine "richtige" Geschichte, dafür sind die Nebenfiguren wichtig: besagter Fahrlehrer, die beste Freundin Zoe, die Schwestern, die Kolleginnen, die Flamencolehrerin (jetzt habe ich verstanden, worum es bei Flamenco geht!) und natürlich der attraktive Sozialarbeiter. Eine Zeitlang habe ich noch nach der Geschichte gesucht – so vermutlich auch die Programmheftmacher, die auf die Formulierung kamen: "Ist Poppy leichtfertig und etwas verrückt oder verbirgt sich tief in ihrem Innern ein ganz anderer Charakter?" Wieso anderer Charakter? Vielleicht ist es so, dass fröhlichen Menschen manchmal nicht geglaubt wird, dass sie so vergnügt sein können. Vielleicht ist das die Geschichte: dass da eine fröhlich ist, nicht, weil sie ihre oder anderer Leute Probleme nicht wahrnimmt, sondern weil die schlecht gelaunt auch nicht leichter anzugehen wären. Ihr dabei zuzusehen und noch vielmehr zu hören, macht jedenfalls großen Spaß.

Draußen vor der Urania schaut eine ältere Frau beim Aufschließen liebevoll ihr Fahrrad an und sagt zu mir "War das nicht ein guter Spruch? I didn’t even have time to say good bye."

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