Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Man-jeuk – Sparrow

Johnnie To, diesmal nicht im Forum, sondern im Wettbewerb mit Sparrow. Eine Kleinstbande von Taschendieben wird von einer geheimnisvollen Frau dazu gebracht ihr zu helfen. Schön ist das alles anzusehen: der Chef fährt Fahrrad – manchmal auch mit seinen Kollegen zu viert. Kein Wunder, dass da das Rad zusammen bricht. Radfahren scheint in Hongkong so abwegig zu sein, dass es nicht notwendig ist, das Rad jemals ab- oder gar anzuschließen. Außerdem fotografiert er in seiner Freizeit die Stadt mit alten Kameras in Schwarzweiß. Das ist schön und ergibt Bilder, die mir wie das Hongkong von vor über zwanzig Jahren vorkommen. Es gibt auch eine tolle Regenschirm-Choreographie.

Leider, leider: die Geschichte. Die Sitznachbarin (vom Fach: Sinologin!) fragt mehrfach nach, ob das jetzt eine Parodie war. Vermutlich auch das, aber trotzdem. Da ist diese geheimnisvolle Schöne in schimmernden Klamotten, die ständig in turmhohen Absätzen durch die Stadt rennt – offensichtlich wird sie verfolgt. Sie ist die Mätresse des Altgangsters, den sie gerne verlassen möchte, aber nicht kann, denn ihr Pass liegt in seinem Safe. Mit welcher Energie und welchem Aufwand sie die vier Gauner manipuliert, damit die ihr helfen, wirkt überhaupt nicht hilflos. Andererseits macht sie ganz auf wehrloses, armes Weibchen mit Kulleraugen und -tränchen. Der Altgangster zeigt den vier Dilettanten zuerst einmal, dass er ihnen haushoch überlegen ist, bietet ihnen dann jedoch eine Wette an, die sie eigentlich kaum gewinnen können…

Das klingt im Nachhinein eigentlich gar nicht so schlecht – vermutlich hat mich nur die doofe Frauenrolle gestört.

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