De Engel van Doel

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Den Engel von Doel (sprich: Duul) hat Emilienne gesehen, als sie noch ein Kind war. Er flog durch das Schlafzimmer ihrer Mutter und zurück in den Himmel. Das ist ca. 70 Jahre her, als Doel noch ein normales Dorf in der Nähe des Antwerpener Containerhafens war. Jetzt wohnt in Doel, bis auf Emilienne, keiner mehr. Das Dorf soll dem Hafen weichen, und alle anderen sind entweder weggezogen oder gestorben. Auch Emilienne hat schon lang ihr Haus an die Hafengesellschaft verkauft, aber als es mit dem Wegziehen ernst wurde hat sie festgestellt: es geht nicht, keine Chance. Seither lebt sie quasi in ihrem eigenen Haus als Hausbesetzerin. Drumherum tummeln sich "echte" Hausbesetzer mit politischen Anliegen, die das Dorf retten wollen, aber für die interessiert sich Emilienne nicht. Sie will einfach nur ihr Haus behalten. Sie ist nicht senil. Sie ist nicht arm, sie ist nicht politisch und nicht gebrechlich. Sie will nur nicht umziehen. Aber manchmal wird ihr wohl schon mulmig, wenn alles so still ist und keine Katze zur Fütterung vorbeikommt… Als der uralte Pfarrer noch lebte, kam er immer auf seinem Dreirad vorgefahren und schwätzte in der Küche, oder drei Freundinnen saßen um den Tisch und pulten Krabben…

Ein schöner schwarzweiß-Film über die Nervenenden des Kapitalismus (da, wo er wirklich weh tut), aber auch über alte Leute, Vergänglichkeit und Eigensinn (sehr bewegend: der Pfarrer, der, todkrank, in seinen Predigten um gewalttätige Endzeitszenarien kreist) – und wer letztendlich gewinnt: Emilienne, die bis zu (welchem?) Schluss in ihrem Haus bleiben will, oder die Hafengesellschaft: that remains to be seen.