Kurzfilme

Im KurzfilmProgramm II haben mir zwei Filme gefallen:

Pu-Seo-Jin Bam – Broken Night von Yang Hyo-joo ist ein beindruckender Abschlussfilm über Versicherungsbetrüger.Ein Mann inszeniert mit seinem Freund einen Unfall, in der Hoffnung, eine Versicherungssumme zu kassieren.Auf dem Weg nach Hause rammt ihn eine Jugendliche absichtlich mit dem Motorroller, ebenfalls in der Absicht von seiner Versicherung zu kassieren. Ihr Freund hat Alles auf seinem Mobiltelefon gefilmt, um den Fahrer zur Not zu erpressen. Da ein zweiter Versicherungsbetrug in einer Nacht zu viel ist, flieht der Mann, überlegt es sich dann anders und möchte das Mobiltelefon haben. Was bis dahin und danach noch alles passiert erinnert an Unlucky Monkey von Hiroyuki Tanaka, nur dass wir in Korea sind, es vermutlich keine Jakuza gibt, und dieser Kurzfilm sowieso leider zu schnell zu Ende ist.
Die Regisseurin (Interview) erzählte, dass Versicherungsbetrug durch provozierte Unfälle vor allem bei Jugendlichen als sichere Geldquelle gilt, mit oft tödlichem Ausgang.

Rao Yi Sheng – Doctor Rao von Alexej Tchernyi und Wu Zhi zeigt die Trauerfeier und Einäscherung des Vaters der Regisseurin.Die mehrere Tage dauernde Prozedur wird in Zeitraffer gezeigt, silberne Zirkuspferde (nein, nicht das alte Zirkuspferd) wandern durch die Stadt. Das ist wirklich lustig anzuschauen, und es funktioniert als ironischer Kommentar auf chinesischen Pragmatismus, entleerte Rituale, die man schnell hinter sich bringt. Der Zeitraffer wird erst aufgehoben, als die quäkende Beerdigungs-Blechbläsercombo spielt, deren schräge, ausgelutschte, runtergeleierte Musik genial die rappelnden Bilder fortsetzt. Ob allerdings wirklich Ironie gemeint war, bleibt unklar. Die Regisseurin (Interview) hatte als Zusatzinformationen auch nur einen gerafften Satz auf Deutsch zu bieten. Eine Übersetzung gab es nicht.

Womit wir beim Problem dieses Programms wären. Hallo Berlinale, Ihr nennt das offiziell Berlinale Shorts Wettbewerb. Es gab kein Q&A sondern nur die öden Fragen einer Moderatorin. Die Präsentation hatte unterstes Colosseum-Niveau: nein, wir sprechen hier nur wenig und ungern Englisch, wir wollen auch nicht wissen, wie man Namen richtig ausspricht, und wir stellen auch nur blöde Fragen. Regisseur: wir haben in unserem Film (15 July) die Charaktere der Figuren herausgearbeitet. Moderatorin: was haben Sie für Charaktere in Ihrem Film benutzt? Darsteller: der Regisseur ist mein Bruder. Moderatorin: wie hat ihre Familienbeziehung ihre Arbeit beeinflusst. Regisseur: es ist mein Bruder, wird arbeiten zusammen. Moderatorin: werden Sie diese Zusammenarbeit wiederholen?. Ich finde, dass auch öde Filme wie dieser keine blöden Fragen rechtfertigen. Wahrscheinlich hätten die beiden auf englisch oder rumänisch sogar etwas zu sagen gehabt.

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