Sweet little 14 (?!?)

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Dafür, dass ich Teenager nicht leiden kann, sehe ich dieses Jahr ganz schön viele Teenager-Filme. Gestern Chilla, heute Supernova und eben Kreuzweg. Aber zwischen den dreien liegen, zumindest beim ersten Hinsehen, Welten! Ist eigentlich schön, manchmal denkt man ja, global werden alle Lebensformen immer gleicher.

Kreuzweg kriegt einen Extra-Eintrag. Jetzt geht es um Supernova. Achtung: am Schluss gibt es einen tollen Veranstaltungs-Tipp für Verliebte oder Leute, die sich sehr gut leiden können!

Das Programmheft sagt: Meise wohnt da, wo nichts ist. Wer das für übertrieben hält, wird eines Besseren belehrt: um das Haus von Meise, ihren Eltern und ihrer Oma ist tatsächlich nichts. Nur flache Wiesen und am Horizont Hafenkräne. Und ein Kanal, über den eine verrottete alte Stahlbrücke führt. Von dieser Brücke ist Meises Opa ins Wasser gesprungen, mit einem Stahlträger am Bein. Jetzt ist da noch mehr Nichts als vorher.

Meise ist quasi das gänzlich säkulare Gegenstück zu Maria aus
Kreuzweg: bei Ihr kommen die Gesetze für die Welt und die Familie aus
der Physik (Trägheitssatz, Energieerhaltungssatz …), ihre beste
Freundin ist lesbisch, der tote Opa wahrscheinlich eine Gaswolke oder
ein Frosch, der Vater trinkt zu viel Bier und findet die demente Oma
widerlich. An der verrosteten Brücke finden nachts wilde Parties von
ekligen Mittvierzigern statt, die Meise heimlich beobachtet. Sie liest
der Mutter die Liebesromane/ Frauenpornos weg und arbeitet neugierig und
zielstrebig auf ihren ersten Sex hin. Sie kann eine ganz schöne pain in
the ass sein, besonders bei der eigentlich ganz sympathischen Mutter. 

Meises Zuhause ist nicht schrecklich, nur komplett gelähmt. Der Vater berufsunfähig, die
Mutter in ihrem Alltag so eingefahren, dass Meise mit 95%iger
Trefferquote voraussagen kann, was sie als nächstes tun wird. In dieses
Vakuum (d.h. ins Panoramafenster des Hauses) kracht eines Tages ein Auto
mit einem jungen Mann am Steuer, der wohl zu einer der ekligen Parties
wollte.

Der junge Mann ist insgesamt zu hässlich und doof, um die
Familie aus ihrer Lethargie zu reißen, aber so ein paar kleine
Anstupser gibt seine reine Anwesenheit doch. Und so kommen die Eltern
sacht in Bewegung und Meise kriegt ihren ersten Sex, der Gottseidank so
unspektakulär ist, dass sie sich wieder anderen Dingen zuwenden und in
Ruhe auf einen netten Menschen warten kann. Den Jungen schmeißen sie
raus, und das Leben geht etwas leichter weiter.

Der Film
übermittelt das Gefühl der Stagnation ganz hervorragend. So
hervorragend, dass man sich als Zuschauer gleich mitlangweilt und
möchte, dass endlich etwas passiert. Und das ist eigentlich ziemlich
gut.

Und hier der versprochene Tipp, abgeguckt bei Meise und ihrer Freundin: man reibt sich das Gesicht mit Sirup (oder Öl?) ein und drückt es dann
in bunte Zuckerstreusel. Das sieht sehr lustig und kleidsam aus!
Und dann die Streusel abküssen.
Sehr süß!