Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Chaiki

Chaiki einen kalmückischen Film hatte ich mir für Sonntag Abend ausgesucht, na ja, ein letzter Film kann ja auch mal wegfallen. Um diesen Film wäre es aber sehr schade gewesen! Zum einen hätte ich dann nicht gewusst, dass die Kalmücken westlich vom kaspischen Meer, und nördlich von Georgien, Tschetschenien und Aserbaidschan zuhause sind, und es zum Anderen schwer haben Sprache und Kultur zusammen zu halten.

Aber zum Film: wie viele kalmückische Orte in Russland ist auch der im Film nur noch durch kilometerlange Kanäle mit dem kaspischen Meer verbunden (da dieses immer kleiner wird), zu dem die Männer noch immer tagelang mit Booten zum Fischen fahren. Das Fischen ist aber weder lukrativ noch legal, da das kaspische Meer inzwischen zu Kasachstan gehört. Die Gefahr, beim illegalen Fischen erwischt zu werden ist überlagert von der Gefahr eines frühen Wintereinbruchs auf den kilometerlangen Kanälen, was bedeuten kann, im Ausland zu erfrieren. Eine viel bedeutsamere Ebene ist aber die der patriarchialen Gesellschaft, in der die Frau immer verlässlich zu Hause auf die Rückkehr des Mannes warten muss und ihm möglichst schnell und viele Nachkommen schenken soll. Die Protagonistin Elsa hat noch kein Kind, und weder sie selbst, noch ihr Mann oder ihre (deshalb) übelmeinende Schwiegermutter weiss, dass sei eines erwartet. Ihr Mann entschliesst sich mit ein paar Kumpeln zu einem Fischzug mit grossem Risiko, von dem sie nicht zurück kommen werden. Danach erfährt Elsa beim Arzt, dass sie ein Kind erwartet, und findet darin erst die Kraft, sich aus der Situation zu befreien.

Wirklich schöne Bilder einer zarten Landschaft mit weichen, bunt bemalten Holzhäusern, buddhistischen Tempeln, fragilen Holzstegen an schilfbewachsenen Ufern. Dazu eindrückliche Aufnahmen alter Menschen mit rosenkranzartigen Ketten in den Händen. Die titelgebende Seemöve soll übrigens die  Seele eines verschollenen Fischers sein.

Meine Güte, warum ist das denn überall auf der Welt und immer wieder das Gleiche und so schwer? Menschen begeben sich in Abhängigkeit und kommen da erst mal nicht wieder heraus, bis eine Art Weckruf ertönt…

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