Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Barakah Meets Barakah

Das Programmheft verspricht eine romantische Komödie aus Saudi-Arabien: Barakah yoqabil Barakah. Die wissen schon, wie sie uns ins Kino kriegen, der Film war online sofort ausverkauft und dann im Kino rappelvoll.

Schon im Vorspann gibt es einen Hinweis: wenn im Film Dinge verpixelt sind, liegt das nicht an der Zensur, ganz bestimmt nicht. Da sind wir natürlich gleich gespannt, was da wohl verpixelt werden wird. Es ist ein Film über „Public space“ – und weil das zu langweilig wäre, hat der Regisseur eine Liebesgeschichte drum herum gebaut. So stellt er es jedenfalls nachher dar.

v.l.n.r. Hisham Fageeh, Fatima AlBanawi, Mahmoud Sabbagh, Moderator

Public space ist am Anfang der Platz, den der Gemüsehändler mit seinen Kisten auf der Straße in Anspruch nimmt – zwar weniger als 15qm, aber das ist nicht legal, da müsste Barakah, der fürs Ordnungsamt arbeitet, eigentlich einschreiten. Er schreitet außerdem ein, wenn ein Café Stühle vors Lokal stellt, oder wenn möglicherweise illegale Fotoshootings stattfinden. Bei letzterem sieht er Bibi, und ist gleich hin und weg. Als Bibi (die eigentlich, wie man aus dem Titel schnell schlussfolgert, auch Barakah heißt) und Barakah sich näher kennenlernen möchten, wird klar, dass es überhaupt keinen öffentlichen Ort gibt, an dem sie das tun könnten. Die weitere Handlung wird im Programmheft sehr prima beschrieben, bitte dort nachlesen.

Der Film macht richtig viel Spaß – aber toll an der Berlinale sind eben nicht nur die Filme, sondern ganz besonders die anschließenden Fragerunden. Weil es so spät war, waren mal mehr als fünfzehn Fragen erlaubt, und der Moderator bestärkte uns immer noch, wir könnten so lange applaudieren, wie wir wollen. Ich habe gelernt, dass es in Saudi-Arabien eine sehr lebendige Underground-Kulturbewegung gibt, dass soziale Netzwerke eine große Rolle spielen, und dass das Klima in Jeddah so locker ist, dass die Hauptdarstellerin (studierte Theologin übrigens) ihr Kopftuch nur trägt, wenn ihr danach ist. Es gibt dort übrigens überhaupt keine Film-Infrastruktur, keine Studios, keine Kinos. Das Team hofft natürlich trotzdem, den Film auf DVD zu verbreiten. Der Regisseur Mahmoud Sabbagh hat jedenfalls ein Anliegen, das er unglaublich charmant vermittelt.

Wenn ich mir jetzt Sufat Chol und Barakah.. im Vergleich zu Time Was Endless anschaue, dann ist das zwar möglicherweise ein bisschen unfair, aber kommt es mir vor, als ob das Wollen der RegisseurInnen den Filmen gut tut.

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