Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Creepy – gruseln in Japan

Creepy fängt mit einer Rückblende an. Der junge Detective wird von einem Psychopathen, den er kurz zuvor noch verhört hatte, schwer verletzt, quittiert den Polizeidienst und wird Dozent für Kriminalpsychologie an einer Uni. Er zieht mit seiner jungen Frau in ein Haus und versucht, sich in der Nachbarschaft einzuleben.

Schnell stellt sich heraus, dass der Nachbar ziemlich „creepy“ ist – aber als Kriminalpsychologe weiß er, dass echte Psychopathen nach außen hin integrierte und freundliche Leute sind. Irgendwie ist der junge Mann aber der schlechteste Kriminalpsychologe der Welt. Zwar gelingt es ihm mit einem Exkollegen zusammen einen sechs Jahre alten Fall zu lösen, bei dem eine Familie bis auf die Teenie-Tochter verschwand, aber schon die Befragung der Tochter fand ich vollkommen daneben, furchtbar grob, da half es auch nichts, dass er sich ständig entschuldigte.

Achtung, hier folgen ganz leichte Spoiler…

Seine Grobheit sorgt dann auch dafür, dass er zwar allmählich ahnt, dass der alte Fall doch mit seinem creepy Nachbarn zu tun hat. Was er nicht mitbekommt, ist, wie seine Frau sich verändert. Irgendwann wechselt dann die Perspektive, und die Zuschauerin bekommt nach und nach Einblick ins Nachbarhaus, wo der Nachbar einen Folterkeller betreibt, wo Leichen in Plastiksäcken vakuumiert werden. Gerade, als ich mich einerseits über mangelnde Plausibilität ärgern will und gleichzeitig anfange, mich tatsächlich zu gruseln, lacht jemand im Publikum laut auf. In dem Moment ist der Bann gebrochen: ein großer Teil des Publikums bemerkt die unfreiwillige Komik, und immer mehr Leute lachen. Das hat etwas ausgesprochen Befreiendes, und ich kann den Rest des Films ungegruselt zu Ende schauen. Nicht dass ich mich nie gruseln mag, aber wenn Ärger und Grusel konkurrieren, ist das seltsam.

Der Showdown ist dann doch ganz prima, vor allem, weil eigentlich alles nur so weit kommt, weil der Mann ein so miserabler Psychologe ist, und seinen Gegenspieler immer wieder völlig falsch einschätzt, bzw. zwar einiges richtig ahnt, sich aber – z. B. seinem ehemaligen Chef gegenüber – so ungeschickt verhält, dass niemand ihm glaubt oder helfen will.

Lustig ist, dass ich hier schon wieder völlig konträr zur taz-Besprechung liege. Allerdings vermute ich stark, dass Ekkehard Knörer in einer Vorstellung mit weniger ausgelassenem Publikum war.

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