Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Einen Kinderfilm ohne Kinder gucken – Die Reise nach Sundevit

Einen Kinderfilm ohne Kinder zu gucken, war schon nicht so klasse – aber das ist auch das einzige, was negativ an diesem Screening war. Und nun ist nur zu hoffen, dass noch viele Kinder den Weg in diesen überhaupt nicht verstaubten Retro-Generation-Cross-Section-Film in Schwarzweiss finden.

Und wo ist eigentlich Sundevit? Mich erinnerte alles an die Landschaft des Darss bei Prerow mit Leuchtturm und Campingplatz in den Dünen. Der Name Sundevit ist mir im Grossraum Fischland-Rügen-Hiddensee-Stralsund immer wieder begegnet, aber Wikipedia weiss dazu nichts. Gedreht ist der Film jedenfalls im Umfeld von Zingst, wie der Kameramann Jürgen Bauer erläutert. Heiner Carows Kinderfilm war sein Erstling und er ist für ein einführendes Filmgespräch anwesend. Mit der Abgeklärtheit des Rückblicks auf 50 Jahre gibt er Zensur-Anekdoten zum Besten: die Film-Musik, die beste 60er Beat-Musik ist, war anfangs nicht genehm und wurde zu einerMundharmiko-Variante entschärft, um dann später doch wieder verwendet werden zu dürfen. Und die Polizeistation, die dem Konzept des Films gemäss „echt“ sein sollte und dann zu echt geriet und im Studio nachgestellt werden musste, um das gewünschte positive Bild zu bieten.

Was wir zu sehen bekommen, ist die Verfilmung eines Kinderbuch-Klassikers von Benno Pludra, immer noch lieferbar. Timm Tammer, der Sohn des Leuchtturmwärters hat Sommerferien und verbringt seine Tage am Strand,  wo er sich mit einer Gruppe junger Pioniere anfreundet: 10-15 Mädchen und Jungen, die in den Dünen nahe des Leuchtturm kampieren. Als diese ihn morgens einladen, mit ihnen mittags weiterzuziehen mit der Fähre nach Sundevit, gehen die Abenteuer für ihn los. Er schafft es, seinen Eltern die Genehmigung dafür abzuringen, aber dann gibt eine Hilfsbereitschaft die Andere und es wird für Timm immer komplizierter, seinen so innigen Wunsch mitfahren zu dürfen, umzusetzen.

Der junge Hauptdarsteller hat eine Intensität, die einen von den ersten Szenen an mitnimmt – auf dem Sozius düst er in einem winzigen Oldtimer über die Strandpromenade / Panzerstrasse von Zingst. Die Geschichte ist von einem tiefen Idealismus und großer Menschenfreundlichkeit getragen –  und die Freuden und die Bedrängungen des Abenteuers Kinderheit werden so sichtbar, dass ich mich gefragt habe, ob das in der Vorlage auch so eindringlich ist. Nun sollte ich sie wohl auchmal lesen.

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