Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Ejhdeha Vared Mishavad! – A Dragon Arrives!

Das war er: Ejhdeha Vared Mishavad! (A Dragon Arrives!) von Mani Haghighi (auf der Berlinale liefen 2006 Men At Work und 2012 Modest Reception) ist mein persönlicher Bär. Wenn in den letzten paar Filmen, die noch kommen, nicht noch etwas völlig unerwartetes passiert, habe ich meinen Bären gesehen, der ein Drache war.

Hier hat mich alles beeindruckt: starke, nie gesehene Bilder, tolle Farben, eine seltsame, zunächst verwirrende, aber nicht unlogische Geschichte, verschiedene Zeit- und eine Metaebene, interessante Figuren, Spannung, Mystery, ein Wahnsinns-Soundtrack – ich war danach total geflasht, konnte nur noch beseelt zur U-Bahn schweben und immer nur „Wow! Hammer! Kino! Ui!“ denken. Naja, denken ist an der Stelle vielleicht zu viel gesagt.

Ein Kommissar mit einem abgefahrenen orangenen Auto (s. Filmstills) kommt auf der iranischen Insel Qeshm (Link auf Bildersuche, weil die Landschaft sehr besonders ist) an. Ein verbannter politischer Gefangener hat sich in einem alten Schiffswrack, das mitten in einem verlassenen Friedhof rumsteht, erhängt. Die Szenerie ist unglaublich, Grabsteine und ein Schiffswrack mitten in der Wüste, in das jemand ein Tor geschnitten hat. Der Kommissar sieht sofort, dass es kein Selbstmord war. Der Tote hat offensichtlich in dem Wrack gewohnt und die Wände mit seltsamen Texten beschrieben – eigentlich eine sehr schöne Wohnung. Auf dem Friedhof spukt’s, und immer, wenn jemand dort begraben wird, öffnet sich der Schlund der Erde. Der Kommissar verlangt dennoch, den Toten an Ort und Stelle zu begraben, und prompt gibt es ein lokal auf genau den Friedhof begrenztes Erdbeben. Er holt sich aus der Stadt Verstärkung von einem Geologen und einem strubbelig-gelockten Hippie-Toningenieur.

An der Stelle springt der Film, und wir erfahren, dass im Nachlass von – äh, wem jetzt? – eine geheimnisvolle Blechkiste gefunden wurde. Darin sind ein paar Bücher, seltsame Blechplättchen mit eingeprägten Gedichten und ein paar Fotos von drei Männern mit einem Baby. Der Regisseur – der jetzt selbst in seinem Film vorkommt, fängt an zu forschen und kommt darauf, dass einer der Männer der Toningenieur ist, in den die Frau, bei der die Blechkiste gefunden wurde, früher verliebt war, der aber in den 60er Jahren verschwand. Über einen Kontakt, den eine seiner Mitarbeiterinnen hat, darf der Regisseur in Geheimdienstarchiven forschen und stößt auf Tonbänder von einem Verhör – dessen Beginn vorher im Geschichtenteil schon zu sehen war. Der, der verhört, hat einen seltsamen Namen und gehört einem Geheimbund aus dem Nordiran an, dem auch der Kommissar angehörte, und der damals Informationen an alle möglichen Seiten verteilte (da wäre es sicher von Vorteil, Ahnung zu haben, worum es hier gehen könnte).

Der Regisseur macht also den alten Mann ausfindig, der damals das Verhör geführt hat, und lässt ihn jetzt diese Rolle spielen. Weil der vorher schon vorkam, ist es ein bisschen verwirrend zu erfahren, dass der damals erst Anfang zwanzig war. Aber es ist eben ein Kunstgriff, ihn sich selber spielen zu lassen.

Die Geschichte geht dann auf der Insel weiter, wo die drei spannende Versuchsaufbauten machen, um dem lokalen Erdbeben auf die Spur zu kommen. Eine Kamera an einer riesigen Traube bunter Luftballons aufsteigen lassen beispielsweise, das sieht in der Wüste großartig aus. Sie finden heraus, dass der Tote eine Beziehung zur verschwundenen Tochter des Haijägers/Augenarztes hatte. Eine alte Frau gibt dem Kommissar etwas zu rauchen, und sagt ihm in verrätselter Weise vorher, wie er die Tochter finden kann. Sie finden sie tatsächlich unter den Planken des Wracks, wo sie ein Baby zur Welt bringt, dabei aber stirbt. Der Hippie-Toningenieur verspricht dem Baby, immer für es da zu sein. Es stellt sich raus, dass der Haijäger/Augenarzt der Schurke ist, mit dem der Herr Charaki unter einer Decke steckt, und dass außerdem unter dem Friedhof ein Drache wohnt…

Es endet damit, wie das Filmteam herausfindet, was damals weiter passiert ist, und was aus den drei verschwundenen Männern und dem Baby geworden ist.

Ein Kommentar

  1. Ulla

    Ooch, den hätte ich auch gern gesehen…

    viele Grüße aus dem Süden!