Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

The Seasons in Quincy

Vier Portraits von John Berger im Lauf der vier Jahreszeiten sind es, die wir sehen und die wohl für die Nutzung bzw. Präsentation in Museen konzipiert sind. Daher der Zeitumfang, wie uns erläutert wird. John Berger, Tilda Swinton, Colin MacCabe und weitere Celebrities waren wohl auch tags zuvor zur Premiere anwesend. Das ist nun im Cubix nicht mehr so… aber hätten wir gestern für die Premiere Karten bekommen, wäre vermutlich Makhdoumin hinten runter geflogen – was ist nun besser?

Erst mit dem Start des Films wird mir deutlich, warum ich auch ‚The Seasons in Quincy“ bei der Berlinale gesehen haben sollte: derekjarmanlabs.org ist der Produzent, eine von Colin MacCabe gegründete Filmschmiede… da musste das ja wohl sein für mich 🙂 Ausgesucht hab ich ihn natürlich wegen Tilda Swinton – sie verantwortet den letzten der vier Filme: Harvest. Dadurch weiss ich jetzt auch was über ihre Kinder… und könnte ihren Apple-Crumble nachbauen. Beim Zubereiten konnte man im ersten Film zuschauen, das Rezept verrät sie im Abspann.

Ich hab es nicht bereut: gut gemachtes Arthouse-Doku über einen Menschen und intellektuelle Netzwerke, die ich bisher überhaupt nicht auf dem Zettel hatte. Wie sagte Max: britische Linke sind auch nicht im Fokus des Feuilleton. Schon mit der Stiftung der Hälfte seines Booker-Price-Geldes 1972 an die britischen Black Panther hatte sich John Berger ins gesellschaftliche Aus katapultiert. Die andere Hälfte verwendete er wohl für Studien über Arbeitsmigration… und wie sagt er an einer Stelle so treffend: Solidarität braucht man nicht im Paradies, sondern in der Hölle. Die erfreulich unterschiedlichen Teil-Filme und -Themen machen unterhaltsame 90 Minuten Filmgucken über bisher unbekannte Intellektuelle und interessante Denk-Anstösse.

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