Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Trivisa – Hongkong-Kino

Trivisa hätte eigentlich im Delphi in der (längst nicht mehr existierenden) Mitternachtsschiene laufen müssen. Das waren noch Zeiten, als kreischende Chinesinnen – damals noch mit kleinen Digitalkameras anstelle von Smartphones – Tony Leung und Kollegen mit Blitzlichtgewitter bombardierten. Hach…

Die Idee zum Film ist von Johnnie To, der drei jungen Regisseuren, Frank Hui, Jevons Au, Vicky Wong, die Aufgabe gab, jeweils eine der drei im Film dargestellten Unterweltgrößen zu recherchieren und mit unabhängigen Filmteams dessen Part zu filmen. Erst im Schnitt wurde der Film zusammen gefügt.

Regisseure mit Dolmetscherin

Das hat erstaunlich gut funktioniert, auch wenn ich ziemlich lange gebraucht habe, zu kapieren, wer jetzt eigentlich wer ist. Da es mir aber gut gefällt, wenn sich die Handlung erst allmählich erschließt, hat es großen Spaß gemacht.

Die drei „King of Thieves“ haben eigentlich alle schon diversifiziert, sich anstelle von Goldraub auf Kidnapping, Schmuggel von Elektronik oder Handel mit Mobiltelefonen eingestellt. Weil sie alle zufällig am selben Abend in Guangzhou im selben Restaurant sind, entsteht das Gerücht, sie hätten gemeinsame Pläne. Aus purer Eitelkeit beginnt einer der drei nach den anderen zu suchen und richtet eine Hotline ein, bei der Hinweise auf den Verbleib der Kollegen sehr gut bezahlt werden. Auch die anderen beiden sind eitel und können der Versuchung nicht widerstehen. Damit führen sie das Ende einer Ära sozusagen selbst herbei.

Sehr schön die Schlussszene, die im Rückblick eine Hörsequenz von relativ am Anfang nachträglich auflöst. Raffiniertes Hongkong-Kino, davon hätte ich gerne mal wieder mehr.

Sehr seltsam auch hier die Q & A: eine Frau fühlte sich vom Katalogtext falsch informiert, denn dort ist die Rede vom Ende des prä-1997 Hongkong-Kinos. Sie lehne Gewalt im Film ab und fände den Film zwar technisch gut, die Gewaltdarstellung könne sie aber nicht gutheißen. Das führte zwar zu Heiterkeit im Publikum, die drei Regisseurjungs versuchten aber leider, darauf einzugehen, und ich hätte gerne gesagt, sie sollen sich mal nicht für ihren tollen Film entschuldigen (hab’s dann nicht getan, weil auch der nächste Beitrag aus dem Publikum ziemlich länglich war).

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