Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Was haben polnische Pflegekräfte in Deutschland mit dem Libanon zu tun – Makhdoumin

Makhdoumin heisst übersetzt in etwa „Der/Die Bediente“, wie die Produzentin erläutert. Diese übernimmt auch die Übersetzerinnen-Rolle und bewältigt dies bravourös und zum Nutzen aller Zuschauenden – vielen Dank dafür, Sabine Sidawi.

Der ursprüngliche Filmtitel nimmt also die genau umkehrte Blickrichtung zur Übersetzung „A maid for each“ – „Eine Bedienstete für jede/n“ ein. Das ist nicht unwichtig für diese Doku, die sich mit dem Phänomen der Hausangestellten im Libanon auseinandersetzt, von denen es etwa 200.000 geben soll bei einer Bevölkerung von 4 Millionen… jaja: 5%. Wie ist das eigentlich in Deutschland? Mindestens für die polnischen Putzfrauen könnte das Verhältnis so ähnlich aussehen. Gezeigt werden nach anfänglichen Standbildern einiger stark gestylter Hausherrinnen im repräsentativen Interieur mit ihren oft uniformierten Hausangestellten (Pflegepersonal-Look) und vielen Kamerafahrten an den abendlichen Fassaden hoch und runter vor allem die Geschäfte in einer Agentur für Hausangestellte – aber auch deren Schlafplätze. Mit einer dezidierten Film-Ästhetik bleibt es immer kurzweilig, den Interaktionen zu folgen – und allein ein beeindruckendes Fenster-Powerpoint, das den Geschäftsführer als wahren Profi seines Metier ausweist, lohnt das Schauen.

Dabei geht es dem Filmemacher im Kern um die Frage, was es zu bedeuten hat für eine Gesellschaft, wenn soziale Fragen der Gleichberechtigung: Versorgung des Haushaltes, Betreuung der Kinder, Pflege  der Eltern – nicht gesellschaftlich verhandelt werden sondern diese Diskussion durch die Bezahlung von Arbeit mit Niedriglohn substituiert wird. Und diese Hausangestellten zudem so unsichtbar wie möglich gemacht werden. Dabei stehen für ihn diejenigen Arbeitgebenden im Fokus, die mit legalen Verträgen, Aufenthaltsgenehmigungen und im dauerhaften Kontakt mit der vermittelnden Agentur stehen; also ein ganz „normales“ Arbeitverhältnis begründet haben.

Dies erfahren wir im Q&A und spätestens da fängt es an zu rattern: wie sieht das eigentlich hier in Mitteleuropa aus? Und was für ein Bild haben wir eigentlich vom „Mittleren Osten“? Wenn die Kamerafahrten Blicke nicht nur in nächtliche Häuser sondern auch in die Hochhauslandschaften Beiruts ermöglichen und Anzeigen für Neubauten mit 6-10-Zimmer-Wohnungen streifen (eine Kammer mit Bad für die Hausangestellte unbelichtet neben Küche und HWR) steht dann auch die Frage im Raum, was die soziale Schere uns noch alles (wieder zurück) bringen kann.

Eindringlich – den Film würde ich mir auch nochmal ansehen. War übrigens unsere diesjährige Forums-Eröffnung…

 

2 Kommentare

  1. micha

    Sehr interessant, das mit dem Titel, das wurde bei uns in der Vorstellung nämlich nicht erwähnt, und dann wirkt es doch seltsam, dass die Perspektive der Maids vollkommen ausgeblendet bleibt. Der Regisseur hat erzählt, dass er als ehemaliger Kommunist, der selber eine Maid für seine Mutter engagiert hat, darüber sprechen wollte, wie sich als liberal empfindende Menschen ein System mittragen, das durchaus ausbeuterische Züge trägt. Genau, wie wenn wir Klamotten tragen, die unter schlimmen Bedingungen hergestellt werden. Klar, es ist nicht anzunehmen, dass die Arbeitgeber gerne ihre Maids im Film zu Wort kommen lassen wollen, aber interessiert hätte mich das schon.
    Ach ja: „nebenan“ im Festivalblog gibt es auch eine interessante Besprechung.

  2. maxuta

    Am Sonntag 28.02. ist dieser Film nochmal zu sehen – in den Wiederholungen des Forum im Arsenal.