Wu Tu – Arbeitsmigranten in Beijing

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Wu Tu – My Land ist das Land am Rand von Beijing, auf dem Chen Jun und seine Frau seit über fünfzehn Jahren Gemüse anbauen. Er betreibt eine Hotline für Wanderarbeiter, wofür er irgendwann für einen Bürgerpreis nominiert wird und an einer Gala teilnehmen darf. 2010 beschließt die Kommune, das Land an einen „Developer“ zu vergeben, der Wohnblocks bauen soll. Die Gemüsebauern, die keine richtige Anmeldung für Being haben, lassen sich mit einer winzigen Abfindung vertreiben, nur Chen und seine Eltern, seine Frau und Töchterchen Niuniu bleiben. Auch dann noch, als Strom und Wasser abgestellt werden. Es ist total beeindruckend, wie hartnäckig Chen und seine Frau sind, wie sie sich zunächst dagegen wehren, um Strom und Wasser kämpfen und sich später mit den widrigen Bedingungen arrangieren. Sie wissen, dass es noch keine Baugenehmigung gibt, und so entsteht, nachdem der größte Teil der Fläche von großen Maschinen planiert wurde, eine Brache, in deren einer Ecke ein winziges Häuschen mit ein paar Beeten übrig bleibt. Die Tochter Niuniu kann kaum laufen, als sie lernt Tomaten zu pflanzen. Ein bisschen Einkommen erhält die Familie für ihre Arbeit in einem Bildungsprojekt für die Kinder von Wanderarbeitern, das Chen initiiert hat, und das von einer NGO finanziert wird.

Irgendwann ist die Frau (es ist ziemlich empörend, dass ihr Name im Programm nicht erwähnt wird, sie ist eine genauso engagierte Kämpferin wie ihr Mann!) ein zweites Mal schwanger – vor der Aufhebung der Ein-Kind-Politk. Zur Entbindung fährt die Familie in die alte Heimat, weil die Krankenhauskosten dort viel niedriger sind als in Beijing. Dort gibt es noch ein Haus, aber das ehemals kollektiv bewirtschaftete Land wurde längst an ein großes Agrarunternehmen vergeben, so dass Rückkehr keine Option wäre.

Der Film endet 2015 mit dem Wegzug ins weiter entfernte Umland von Beijing, um dort hoffentlich eine Anmeldung und damit die Chance zu bekommen, dass die Kinder zur Schule gehen können.

Viele Aufnahmen stammen von Chen und seiner Frau, die bereits früher Videoclips im Internet veröffentlicht haben. Als ihre Kamera kaputtgeht, bekommen sie eine neue von Fan Jian, der zu dem Zeitpunkt schon ein guter Freund der Familie ist.

Der Film ist großartig, ich hatte keine Ahnung, dass es in China Leute gibt, die so aktiv für ihre Rechte kämpfen, und auf eine Art damit viel erfolgreicher sind, als ich es für möglich gehalten hätte. Auf eine Art, denn auf Nachfrage erfahren wir, dass im Herbst 2015 nicht geglückt ist, einen Schulplatz für Niuniu zu bekommen. Sie werden es dieses Jahr aber wieder versuchen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. ulla

    Liebe Micha,

    das ist kein Kommentar zu dem Film (der aber super beschrieben ist!), sonder zum neuen Header-Bild: das ist ja wieder *so schön* geworden! Vielen Dank!

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