Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Einblicke in einen verschlossenen Lebensraum

Menashe ist der vermutlich erste Film, in dem nahezu durchgängig jiddisch gesprochen wird, laut Auskunft des Regisseurs Joshua Z Weinstein. Wir schauen dem Leben von Menashe Lustig in Borough Park (New York) zu: einem ultraorthodoxen Juden, Witwer und Vater eines etwa 10-jährigen Sohnes, das verläuft als sei es einem Woody-Allen-Film entsprungen. Er widersetzt sich den Versuchen, ihn möglichst umgehend wieder zu verheiraten und möchte seinen Sohn allein erziehen, was ihm ebenfalls nicht zugestanden werden soll. Die Widersprüche und Absurditäten seines Alltags werden mit großer Zuneigung seziert und inszeniert. Ein Beispiel: ultraorthodoxe Juden lehnen moderne Medien ab, trotzdem kann Sohn Rieven problemlos das Handy seines Vaters Menashe bedienen und auf den Strassen sieht man viele mit den neuesten Smartphones am Ohr – wie auch viele andere Annehmlichkeiten der modernen Welt: teure Autos, Haushaltsgeräte. Der Protagonist ist ein liebenswerter Unglücksrabe, dem fast Alles mißlingt und der trotzdem nicht aufgibt oder seine Würde verliert. Wäre verwunderlich, wenn der nicht ins Kino kommt… anschauen: unterhaltsam, lustig und nie platt! Und der Hauptdarsteller Menashe Lustig, so der Künstlername von Moshe Mordecai Loeffler, ist eine echte Entdeckung.

 

 

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