Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

El Bar

| Keine Kommentare

Das Setting von Le Bar von Álex de Iglesia ist gewissermaßen klassisch: Eine Gruppe von Menschen befindet sich an einem Ort – hier: in der Bar – den sie nicht verlassen kann. Nach und nach wird die Gruppe dezimiert, es ist zunächst unklar, von wem die Gefahr ausgeht, und unter höchstem Druck zeigt sich, wie es die jeweiligen Charaktere mit Solidarität bzw. Egoismus halten. Gibt es eigentlich einen Namen für dieses Genre?

Ansonsten kann man hier wohl das Etikett Horrorkomödie drankleben. Dass es in diesem speziellen Fall eklig werden könnte, deutet schon der Vorspann an, in dem allerhand Milben, Bakterien, Viren, Schimmelpilze und dergleichen munter zwischen den Buchstaben herumwuchern. Das Publikum im International hat sich da schon lautstark gegruselt.

Dann geht’s los: Eine junge Frau kommt in eine Bar, eher zufällig, in der Hoffnung dort ihr Smartphone aufzuladen. Ein Gast, der den Laden verlässt, wird erschossen, ein zweiter, der ihm helfen will, ebenfalls. Die drinnen Verbliebenen fangen an zu diskutieren, was das bedeuten könnte. Die schwer bewaffnete Polizei, die auftaucht, kommt nicht etwa zur Rettung, sondern verbrennt einen Stapel Reifen vor der Tür. In den Fernsehnachrichten wird mit der Rauchwolke die Notwendigkeit der Evakuierung der Innenstadt begründet. Klarer Fall von Ablenkungsmanöver. Aber worum geht es wirklich? Das scheint deutlicher zu werden, als ein bis dahin unbemerkter Gast aus der Toilette torkelt…

Die ekligen Stellen sind so dick aufgetragen, dass selbst ich zartes Gemüt fast immer darüber lachen konnte. Doch, mir hat es gefallen.

Beim Perlentaucher steht, „‚El bar‘ ist ein moralischer und zivilisatorischer Abstieg in drei Akten, das über alle Maßen pessimistische Abbild einer paranoiden Gesellschaft.“ Wirklich? Es gehört doch sozusagen zum Genre, dass es genau eine integre Person gibt, und andere vielleicht ein Stück weit Potential zeigen oder entwickeln (das sagt aber nichts darüber aus, wer wie lange überlebt). Mir kommt der Film eher wie ein großer Spaß, und weniger als gesellschaftskritisches Manifest vor, aber womöglich ist er ja beides und ich habe es nur nicht richtig bemerkt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.