Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Headbang Lullaby

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Einige Minuten nach Filmbeginn fragt mich der Nachbar, ob das wohl ein komischer Film werde – ich bin sicher, denn wenn der Protagonist im marokkanischen Fußballnationaltrikot auf einem albernen Aufblassofa sitzt, das er vor seinem eigentlichen Polstersofa aufgestellt hat, sieht das so beknackt aus, der Film muss einfach komisch werden.

Headbang Lullaby von Hicham Lasri ist bunt, wild und sehr lustig.

Daoud hat als Polizist vor fünf Jahren während des sogenannten Brotaufstands beim Niederschlagen einer Demonstration etwas auf den Kopf bekommen. Am Tag im Sommer 1986, als die marrokanische Nationalmannschaft überraschend gegen Portugal gewinnt, erhält er den Auftrag, eine Brücke über eine Autobahn zu beaufsichtigen, denn möglicherweise wird der König drunter durchfahren. Oder auch nicht. Die Brücke steht völlig unproportioniert in der Gegend herum, und ständig begegnen Daoud seltsame Gestalten: der Bürgermeister vom Dorf Coca, der über das auf der anderen Seite liegende Dorf Bibsi herzieht, ein Mann mit Pferd, eine Frau in bunten Klamotten, die sich bei Bedarf einen dezenten Mantel drüber zieht, der kleine Junge Lokfi, dessen Vater seit dem Brotaufstand verschwunden ist.

Der Titel stammt von der Nebenhandlung: Daouds Gehilfe bricht sich ein Bein und wird mangels Ambulanz ins Haus der jungen Frau gebracht, die im Dorf immer die Kühe behandelt. Er wird aufs Sofa gebettet. Ein Schlaflied hilft nicht gegen seine starken Schmerzen, so dass nach einer Weile mit Alkohol, dann Haschisch und schließlich mit einem Schlag auf den Kopf mit dem eigenen Schlagstock Linderung verschafft werden soll. Zur Sicherheit lässt der Vater der Frau einen Zettel unterschreiben, dass der Schlag auf eigenen Wunsch verabreicht wird.

Beide Erzählstränge bewegen sich wundersamerweise tatsächlich voran, und was eigentlich beim Schauen zunächst wie eine Abfolge bunter, verrückter Bilder aussieht, verbindet sich zu zwei Geschichten über – ja was denn? – Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und das Leben überhaupt.

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