Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Honeygiver Among the Dogs – Bhutankrimi

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Honeygiver Among the Dogs fiel mir im Programm sofort auf: der erste bhutanische Spielfilm*, und dann noch ein Krimi. Das ging wohl vielen so, denn der Film war im Online-Vorverkauf immer nach Sekunden weg, so dass es schien, als wäre das der begehrteste Film des Festivals.

Dechen Roder erzählt die Geschichte aus Sicht des jungen Polizisten Kinley, der in einem Dorf in Bumthang das Verschwinden der Äbtissin eines Nonnenklosters aufklären soll. Jemand will gesehen haben, dass sie von einer Felswand gestoßen wurde, und beschuldigt Choden, die schöne Fremde, die im Dorf nicht dazu gehört, die mit Männern flirten soll und eine Dämonin sei. Kinley soll undercover ermitteln und Choden folgen. 

Er zieht sich Zivilklamotten an, einen traditionellen Gho, eine Art Bademantel über Kniestrümpfen und Wanderbotten. Dann folgt er Choden in denselben Bus. Bei der ersten Rast spricht sie ihn an und bittet ihn, mit ihr gemeinsam zu reisen, damit sie für ein Paar gehalten werden. Sie überredet ihn außerdem zu einer mehrtägigen Wanderung nach Thimphu, weil das weniger auffällig ist als eine Busreise. Er willigt ein, und sie wandern durch eine großartige Landschaft, eine Art Hochlanddschungel (wo es überall Handyempfang gibt). Sie erzählt ihm mystische Geschichten und er kommt immer mehr durcheinander, ob sie ihn jetzt „verhext“ oder zu Unrecht verdächtigt wird.

Zurück in Thimphu verschwindet Choden zunächst, und Kinley wird von seinem Vorgesetzten von dem Fall abgezogen, er forscht aber auf eigene Faust weiter, denn er hat entdeckt, dass ganz irdische Interessen am Land des Nonnenklosters bestehen…

In der Hauptstadt Thimphu ist Platz für Tradition und moderne Welt, Kinley trägt mal Hemd und Hose, mal Gho mit Kniestrümpfen. Es gibt Computer und Tempel mit riesigen Gebetsmühlen, vierspurige Straßen, Ämter und Krankenhäuser und ein Handyklingelton spielt eine wichtige Rolle. Kinley kommt dem Geheimnis immer näher, wobei die Rolle von Choden bis ganz zum Schluss undurchsichtig bleibt.

Großartiger Film, hoffentlich kommt er ins Kino!

Honeygiver bezieht sich auf ein Mädchen in einer der Geschichten, das der meditierenden Fremden Honig bringt, während die Einheimischen sie mit Steinen verjagen wollen.

* 2005 gab es auf der Berlinale Milarepa, eine Bhutanisch-US-amerikanische Koproduktion über das Leben des tibetischen Heiligen und Dichters Milarepa, und 2015 war Dechen Roder mit dem Kurzfilm 3 Years 3 Months Retreat dabei. Den würde ich jetzt sehr gerne sehen.

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