Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Loktak Lairembee – Lady of the Lake

Auf dem Loktak See in Loktak Lairembee schwimmen Inseln aus „heterogener Biomasse“ auf denen Fischer Hütten gebaut haben. Der Film beginnt mit einer brennenden Hütte. Es geht um den Konflikt zwischen Behörden, die behaupten die Fischer seien für die Verschmutzung des Sees verantwortlich, und den Fischern. Die Behörden vertreiben die Fischer mit brutalen Methoden.

Eine Frau sammelt Fischchen aus ihrem Netz, faltet das Netz ordentlich ins Boot und paddelt elegant zu ihrer Hütte auf einer der Inseln. Jede Bewegung ist wunderschön und besonders: wie sie das Boot festmacht, wie sie sich auf der schwankenden Insel bewegt, wie sie die Fischchen zum Trocknen auf ein Tablett aufreiht, immer abwechselnd Kopf neben Schwanz. 

Ihr Mann tut nichts. Sie redet ihm gut zu, aber er ist sehr lethargisch und spricht kaum. Ich denke „Depression“. Mit der Zeit ist sie genervt, dass er nie hilft, nichts zur die Schulgebühr der Tochter beiträgt, sie schimpft, sie droht ihn zu verlassen, aber wenn er dann einen Panikanfall bekommt, ist sie wieder lieb und fürsorglich.

Außer dem Paar ist das Leben der Fischerleute zu sehen: wie sie gemeinsam Inseln zusammen schieben, wie sie sich mit ihren Paddelbooten einem gruseligen, schwimmenden Bagger in den Weg stellen, der sich vorwärtsbewegt, in dem er mit der Schaufel vom Grund abstößt wie ein Stocherkahn. Die Versammlungen, in denen die Fischer beraten, was zu tun ist, wirken dokumentarisch – und sind es auch, denn der Regisseur Haobam Paban Kumar hat vorher einen Dokumentarfilm über die Fischer gemacht.

Der Mann findet eine Pistole neben einer seiner Reusen und will sie behalten. Die Frau will, dass er sie wegwirft. Aber wenn im Film eine Pistole auftaucht, kann die eben nicht gleich wieder im See versinken… Und wer ist die titelgebende „Lady of the Lake“?

Großartig, so geht Berlinale: Dinge sehen und erfahren, von denen ich vorher nie gehört hatte! Und hier noch ein wenig Service: Der Loktak-See liegt im Nordosten Indiens im Bundesstaat Manipur an der Grenze zu Myanmar.

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