Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Mzis qalaqi – City of Sun

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Mzis qalaqi von Rati Oneli ist eine Dokumentation über Tschiatura, eine ehemals wichtige Mangan-Minenstadt in Georgien, die heute zerfällt.

Die Menschen im Film fahren immer noch in die Mine, da unten sieht es gruselig aus. Wenn der Strom weg ist, und das Licht, die Grubenbahn oder die Belüftung ausfallen, muss Archil der Elektriker ran. Mit bloßen Händen dreht er ein paar Drähte zusammen, und es wird wieder hell. Ansonsten macht er öfter ein Nickerchen. Nach Feierabend geht er ins Theater, wo er in einer Laientruppe mitspielt, nach Hause kommt er selten, weil oft vom Theater direkt wieder in die Mine fährt.

Zurab ist Musiklehrer, leitet ein Damen-Mandolinenensemble an, gibt Kindern Musikunterricht und demoliert mit Schlagbohrer und Vorschlaghammer gigantische Betonsilos, um den Armierungsstahl zu gewinnen.

Zwei junge Sportlerinnen werden von einer Trainerin betreut, die ihnen nicht das äußerste abverlangen möchte, weil die beiden einfach zu wenige Kalorien zu sich nehmen. Unbeirrt rennen sie um den Sportplatz, hüpfen über Hürden oder laufen einfach in Trainingsanzügen durch die Straßen.

Im Wikipedia-Artikel steht, wie dramatisch die Situation ist – das zeigt der Film eher in Ansätzen. Wir haben nicht gesehen, dass es kein funktionierendes Wasserleitungsnetz mehr gibt, auch nicht, wie verzweigt das Seilbahnnetz ist. Die zerfallende Stadt ist eher Kulisse für die Menschen, mit denen der Regisseur viel Zeit verbracht hat. Man hat dadurch fast das Gefühl, die Leute zu kennen, die da nach dem Film auf der Bühne stehen.

Über das fasizinierende, marode Seilbahnnetz gibt es eine schöne Fotoserie in der Süddeutschen.

Ein Kommentar

  1. ulla

    Die SZ-Bilder sind wirklich super interessant. Auf nach Georgien! (Ich gehe demnächst jedenfalls erst mal georgisch essen.)

    Aber was mir rückblickend noch klar wurde: ohne das Mandolinenorchester oder den Damenchor oder den Alleinunterhalter wäre das Leben dort (und das Leben allgemein) doch ganz schrecklich, oder? Musik braucht man dringend. Auf Youtube habe ich ein paar Beispiele für die schöne georgische Singweise gefunden, die uns so gut gefallen hat (ich hoffe, der Kommentar nimmt Links?):

    https://www.youtube.com/watch?v=—iWZPc428
    https://www.youtube.com/watch?v=YHR5w8O1dgs

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