Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Newton – Wahlhelfer im Dschungel

Newton ist der Name des Protagonisten im Film von Amit Masurkar. Seinen Namen hat er sich selbst gegeben – Newton klingt besser als Nutan, und darauf besteht er auch. Er ist ausgesprochen korrekt und ehrlich. Der Organisator der Wahl macht ihn darauf aufmerksam – und der Gedanken gefällt mir wirklich gut – dass er sich auf seine Ehrlichkeit nichts einzubilden brauche, die helfe vor allem ihm selbst zu Gelassenheit und einem ruhigen Herzen.

Newton wird als Wahlhelfer ausgerechnet in ein Stück Dschungel in Zentralindien geschickt, wo maoistische Rebellen die Gegend unsicher machen und die einheimische Bevölkerung zum Wahlboykott aufgerufen haben. 

Mit Verstärkung von drei weiteren Wahlhelfern, darunter der ältere Schriftsteller Loknath und als lokale Kraft die ganz zauberhafte Lehrerin Malko, versucht er der Demokratie zu ihrem Recht zu verhelfen. Seine militärischen Beschützer unter dem Kommando von Atma Singh versuchen zunächst, ihn gar nicht erst zum Wahllokal aufbrechen zu lassen. Als korrekter Wahlbeauftragter kennt er aber seine Rechte und Pflichten, lässt sich nicht einschüchtern und baut nach einigen Hindernissen sein Wahllokal wie geplant in der Schule des verlassenen Dorfes auf.

Spannende Geschichte, mir bisher völlig unbekannter Hintergrund, was indische Land- bzw. Waldbevölkerung angeht, wirklich lustige Figuren, ganz besonders auch der Kommandant, der wesentlich mehr Humor und Durchblick hat als Newton, ist großartig. Aber auch wenn Newton sicherlich in einigen Einschätzungen sehr viel dazu lernen muss, ist es natürlich großartig, dass er sich durch die realistischere Weltsicht des Kommandeurs nicht sabotieren lässt. Es kommt zu einem dramatischen Showdown, der dann aber zum Glück doch noch nicht das Ende des Films ist.

Der Regisseur erzählt im Anschluss, dass es wohl überall so ist, dass zwischen dem Anspruch einer demokratischen Verfassung und der Wirklichkeit Welten liegen, und das genau sollte sein Thema sein. Sehr klasse Film, der vermittelt, dass es sich trotz allem lohnt, etwas bewegen zu wollen.

Das Team von Newton

3 Kommentare

  1. maxuta

    Na, das macht ja neugierig! Dann sind wir mal gespannt, wir sehen den Film nachher. Nach dem gestrigen beeindruckenden: Loktak Lairembee wird das der 2. Film über unbekannte Gegenden Indiens und ein (für uns) Arundathi-Roy-Thema 😉

  2. ulla

    Newton hat mich total an Sheldon Cooper erinnert.

  3. micha

    Stimmt, aber bei Newton ist es erst ein kleines bisschen später aufgefallen.