Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

One Thousand Ropes

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One Thousand Ropes beginnt mit einer Geburt. Die Mutter weint, schaut das Kind gar nicht an. Ein älterer Mann ist dabei, er reicht ihr das Kind. Die Mutter will die Plazenta nicht haben, da vergräbt der Mann sie unter einem Zitronenbaum. Er sammelt ein paar Zitronen auf. Es ist Maea, der Geburtshelfer ist, täglich Schwangeren die runden Bäuche mit Zitronensaft massiert und außerdem in einer Bäckerei frühmorgens den Teig knetet. Der Chefin ist das immer zu spät, drum schafft sie eine Teigknetmaschine an. In einer Ecke seiner Wohnung sitzt ein Geist, eine Frau, Seipua, die anfangs noch sehr zombiehaft aussieht, ganz still sitzt und sich vertreiben lässt, im Laufe des Films aber lebendiger, jünger und böser wird. 

Maeas Tochter Ilisa taucht auf, hochschwanger und vom Kindsvater schwer misshandelt. Langsam wird die Vergangenheit der Familie rekonstruiert, Ilisa hängt die Familienbilder wieder dorthin, wo vorher nur helle Stellen an der Wand sind. Der Film ist seltsam, langsam und fremd. Da sind die alten Männer, die sich treffen, über alte Zeiten reden und immer noch die gefährlichen Kämpfer von früher sein wollen. Viele unfrohe Schwangere, ein weher Zeh, aus dem Maea einen menschlichen Zahn zieht – ist das der Zahn, den Seipua zurückfordert? Aber sie beißt ihn doch erst später in den Fuß? Das macht eine unheimliche Atmosphäre, der Kopf versucht, Steinchen zusammen zu fügen, das klappt nur bedingt, zu fremd sind Leben und Träume der Figuren. Es geht um Männer und Frauen, Gewalt, Geburt und Tod, und darum, wer letztendlich die Kraft aufbringt, etwas zu verändern.

Regisseur Tusi Tamasese ist aus Samoa und hat in Neuseeland studiert. Er hat einen Film über eine samoanische Community in Wellington gemacht, über eine Welt, in der es eine Tradition männlicher Geburtshelfer gibt, und in der die Leute wissen, was man tun muss, wenn eine Tote sich weigert in ihr Grab zurückzukehren.

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