Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Pokot

Der Programmtext von Pokot verspricht: „Fest verwurzelt in der Realität der polnischen Provinz, ist der Film so anarchistisch wie seine Heldin – ein waghalsiger Genremix aus komischer Detektivstory, spannendem Ökothriller und feministischem Märchen.“ Komisch, anarchistisch und feministisch klingt gut. Es stimmt auch, dass es wunderbare Landschafts- und Tieraufnahmen gibt. Es ist großartig, wenn die Protagonistin eine schöne ältere Frau mit grauen Locken ist. Und auch auf die Handlung hätte ich mich gut einlassen können: Tierspuren bei allen Mordopfern, ein junger IT-Spezialist, eine angedeutete Dreiecksgeschichte, selbst mit dem süßlichen Ende wäre ich klar gekommen.

Was mir wirklich nicht gefallen hat, war einerseits die Sache mit dem Horoskop – selbst, wenn ich es wohlwollend als Ablenkungsmanöver interpretieren möchte, es hat genervt. Wieso sollte eine Brückenbauingenierin sich im Ruhestand intensiv mit Horoskopen befassen? So stand es nun mal im Drehbuch, aber wenn sie es tut, sinkt gleich ein bisschen der Heldinnenfaktor. Und: dass sie wegen der Jagd immer so außer sich geraten muss, nervt auch. Klar, sie soll natürlich gegen Wilderei kämpfen und gegen Jagd außerhalb der Saison, oder meinetwegen für die Einführung eines großen Biosphärenreservats für diesen seltenen Käfer – damit wäre auch die Jagd erledigt. Aber warum muss sie immer so emotional werden. Das ist in der direkten Konfrontation mit der Bürokratie überhaupt nicht zielführend. Die Wahrscheinlichkeit, jemanden von ihrer Sache zu überzeugen, den sie als Kannibalen beschimpft, ist außerordentlich gering, und daher strategisch eher doof. Diese beiden Störfaktoren sorgten dann leider dafür, dass die zwei Stunden doch ziemlich lang wurden.

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