Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Vaya

Vier Menschen fahren mit dem Zug nach Johannesburg. Ihre Geschichten berühren sich mehrfach beinahe. Das ist ein bewährtes filmisches Stilmittel und wird in Vaya von Akin Omotoso sehr spannend umgesetzt. Zanele soll die kleine Zodwa zu ihrer Mutter Thobeka bringen, die, wie sich herausstellt, doch keine berühmte Sängerin, sondern Kneipenwirtin geworden ist. Sie werden am Bahnhof nicht abgeholt und müssen erstmal eine Nacht irgendwo verbringen. 

Nkulu soll die Leiche seines verstorbenenVaters nach Hause bringen, um ihn dort zu bestatten, findet aber heraus, dass der in Johannesburg eine weitere Familie hat, die bereits einen Mahagonisarg besorgt hat und ihren Toten keinesfalls herausgeben will. Von zu Hause aus macht seine Mutter am Telefon Druck, aber sein Halbbruder ist Unterweltgröße Madoda, der Partner von Thobeka.

Nhlanhla hofft auf einen Job bei seinem erfolgreichen Cousin Xolani, der aber nicht Geschäftsmann, sondern ebenfalls Unterweltgröße ist. Den Job, der ihm angeboten wird, kann Nhlanhla unmöglich übernehmen, aber ausschlagen kann er ihn auch nicht, wie ihm schnell klar gemacht wird.

Die Geschichten sind spannend miteinander verwoben, aber noch aufregender ist, wie das Drehbuch entstanden ist: in Workshops mit Obdachlosen, die deren Geschichten eine Stimme verleihen sollten. Der Produzent erzählt, dass viele anfangs nur kamen, weil es etwas zu essen gab und das Fahrgeld bezahlt wurde. Es war auch schwierig, die Geschichten festzuhalten, weil viele weder lesen noch schreiben können. Diese Workshops finden seit achr. Jahren statt, und zum Filmstart soll ein Buch erschienen, in dem Geschichten vorkommen, die nicht in den Film gepasst haben. Einige der Obdachlosen haben im Film kleine Auftritte – z.B. als die Leiche im Kofferraum.

Bei awardcircuit.com gibt es noch ein Interview mit Akin Omotoso.

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