Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

14 Apples – Wackelkameraalarm

In 14 Apples bekommt  Regisseur Midi Z, als er bei seiner Mutter zu Besuch ist, zufällig mit, dass sein alter Freund Shin-Hong an Schlaflosigkeit leidet und von einem Wahrsager die Empfehlung erhalten hat, vierzehn Äpfel zu kaufen und damit vierzehn Tage als Mönch in einem abgelegenen Kloster zu verbringen. Das ist die Vorgeschichte zum Film. Er fährt spontan mit, und filmt alles mit wackeliger Kamera.

Auf der Autofahrt ins Kloster hoffe ich noch, dass alles ruhiger wird, wenn er erstmal im Kloster angekommen ist. Es stellt sich aber heraus, dass er zu Fuß, wenn er den Mönchen auf Almosentour folgt, oder wenn einige Frauen riesige Wassereimer auf dem Kopf bis ins Kloster tragen, genauso wackelt. Mir wird ein wenig übel, und kurz frage ich mich, ob ich rausgehen soll. Die Augen schließen geht aber auch, das ist sogar ganz erholsam. Als ich kurz darauf neben mir die Sitzreihe entlang schaue, haben da mehr als die Hälfte der Leute die Augen zu.

Einige Szenen sind wirklich interessant: es ist sehr erstaunlich, wie viel die Dorfbevölkerung spendet. Eigentlich viel mehr als die paar Mönche brauchen, und vermutlich mehr, als sie sich leisten können. Noch erstaunlicher ist, wie die Mönche über Geld reden, als ginge es nur darum, möglichst viel Einkommen zu generieren, und vor allem auch für allen möglichen Blödsinn zu verbraten – Lotterie zum Beispiel. Das kam mir nicht sehr buddhistisch vor. Zwei junge Frauen erhoffen sich Beratung, als sie vorhaben zum Arbeiten nach China zu reisen. Sie haben seltsame Vorurteile, dass Chinesen immer mit den Füßen anstatt mit den Händen auf Dinge zeigen. Sie wissen nicht viel über die Arbeitsbedingungen und haben Sorge, ob sie es jemals schaffen werden zurückzukehren.

Außerdem isst Shin-Hong jeden Tag einen der Äpfel. Und ich dachte, die seien ein Mitbringsel für das Kloster.

Als er nach dem Film auf die Bühne kommt, zeigt Midi Z durchaus Selbstironie, als er seinen Film als gutes Mittel gegen Schlaflosigkeit anpreist. Einigen hat der Film sehr gut gefallen, aber ich finde Wackelkamera eher unangenehm und als Stilmittel, um Authentizität zu vermitteln, völlig überflüssig.

Ein Kommentar

  1. maxuta

    Da haben wir anscheinend im gleichen Kino gesessen… die Verklammerung von tiefer Religiosität und hartem Alltagsleben der Landbevölkerung liesse sich aus unserer Sicht nahtlos zB auf Polen übertragen. Und das fanden wir eine ernüchternde aber auch interessante Erkenntnis mit Blick auf den allgegenwärtig positiven Blick auf den Buddhismus.