Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Hojoom – Alptraum im Stadion

Hojoom von Shahram Mokri spielt in einem Stadion, dessen Katakomben wie ein ziemlich schmuddliges Labyrinth wirken, wo Rauch oder Nebel wabert, mal grün, mal rot, mal nur neblig (Mokri erwähnt in der Q&A-Session seine Bewunderung für M. C. Escher). Die Sportler sind muskulöse Männer mit seltsamen Tattoos, schwarzen Trikots mit glitzernd verstärkten, ungepolsterten Schultern und erstaunlichen Augenringen. Wie der Sport geht, wird nicht erklärt,  wo die Augenringe herkommen schon.

Ein Mord soll geklärt werden, die Polizei bringt den Hauptverdächtigen Ali ins Stadion, der Tathergang soll rekonstruiert werden. Negar, die Zwillingsschwester des mutmaßlichen Mordopfers Saman soll diesen darstellen. Weshalb und wie Negar nach „drinnen“ gekommen ist, bleibt unklar. Vielleicht hat sie sich vorher schon als Saman ausgegeben – oder umgekehrt.

Das Opfer ist verschwunden, er soll in einem Koffer nach „draußen“ gebracht worden sein. Das Draußen ist aber nicht leicht zu erreichen, eigentlich gar nicht. Schön ist es dort auch nicht, es gibt seltsame Krankheiten, die möglicherweise von Parasiten in Federkissen übertragen werden, z.B. ist die Frau des Kommissars krank (meine Begleitung fand das Alien höchst überflüssig). Die Rekonstruktion des Falls gerät plötzlich in eine Zeitschleife, und zwar sehr raffiniert: andere Personen sprechen denselben Text, der schon einmal vorkam, gleichzeitig bleibt die Perspektive bei Ali, der in jeder Schleife etwas anderes sieht und erlebt, als im ersten Durchgang. Es stellt sich tatsächlich so etwas wie ein Zusammenhang her, die Zuschauerin ahnt, was mit Saman und den eigentlichen Mordopfern geschehen ist, aber verständlich ist das noch lange nicht.

Das macht dem Publikum unterschiedlich viel aus – im Hinausgehen sagt eine Frau, dass sie ihre Zeit lieber in Fifty Shades of Grey 3 verbracht hätte. Mir hat die düstere Atmosphäre, die seltsam-bedrohliche Geschichte und das Ende tatsächlich sehr gut gefallen.

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