Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Kaotični život Nade Kadić – Das chaotische Leben von Nada Kadić

Kaotični život Nade Kadić von Marta Hernaiz erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Nada, die mit den Widrigkeiten ihres Alltags kämpft: Tochter Hava wird mit einer Form von Autismus diagnostiziert, die Öffnungszeiten der Kita und Nadas Arbeitszeiten sind vollkommen inkompatibel, als Kassenpatientin muss sie Monate auf den Termin beim Arzt warten, das Amt bezuschusst Havas Behandlung nur, wenn eine Diagnose vorliegt, die gibt’s aber erst beim nächsten Termin, die Babysitterin sperrt sich und Hava aus der Wohnung aus… Der Ausflug zu Nadas Eltern im uralten roten Auto ihres Vaters verläuft dann auch ziemlich anders als geplant.

Manchmal sind Mutter und Tochter ein bisschen schwer zu ertragen, Nada, wenn sie mit den falschen Leuten Streit anfängt, mit der Erzieherin, weil die Kitazeiten nicht flexibler sind. Oder wenn sie Hava im Supermarkt getrocknete Bohnen verstreuen lässt und mit der Verkäuferin streitet, die das nicht so toll findet. Beim Zusehen ist es leicht, beide Seiten zu verstehen, aber leichter macht Nada es sich so nicht. Hava macht unaufhörlich Geräusche, es klingt wie eine eigene Sprache, auch das ist teilweise echt laut und anstrengend – aber so ist es einfach. Einmal fahren Mutter und Tochter in einem Kleinbus bei einer Romafamilie mit, und ein Junge findet, dass Havas Sprache wie Beatboxen klingt. Er fängt an zu beatboxen und Hava quietscht im Rhythmus mit. Die Szene ist großartig, weil es dem Jungen gelingt, Hava einfach so zu nehmen. Das hat mein Genervtsein von kurz vorher gleich wieder relativiert.

Danach gab es endlich mal wieder Q&A mit Regisseurin Marta Hernaiz und Hauptdarstellerin Aida Hadžibegović. Das war gut, denn während des Zuschauens hatte ich mich gefragt, wie die Geschichte so gefilmt werden konnte. Die Erklärung ist einfach: es war so. Hava ist die Tochter von Aida und hatte zu der Zeit, als die beiden Frauen ein Filmprojekt planten, die Diagnose autistisches Spektrum bekommen. Dadurch verschob sich der Schwerpunkt des Projekts auf Hava.

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