Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Opium – 1919 gab es keine Zensur

Die Einführung zu Opium durch die Leiter der Filmmuseen Düsseldorf und München, Stefan Drößler und Andreas Thein ist bereits ein spannender Teil des Abends. Der Film wurde in Zusammenarbeit der Museen rekonstruiert. Das war ein höchst schwieriger Prozess, denn es ist kein Drehbuch erhalten, so dass oft nicht eindeutig war, wie das Original genau aussah. 1919, als der Film entstand, gab es in Deutschland keine Zensur, die wurde aber bereits Anfang der 20er Jahre wieder eingeführt, so dass die danach gezeigte Fassung bereits gekürzt war. Das Ergebnis der Rekonstruktion ist jedenfalls großartig exotisch, opulent, und vor allem BUNT! Toll ist der Kontrast zwischen den wüsten, freizügigen Opiumträumen (durch transparenten Stoff sind nackte Brüste zu sehen!) und der strengen Moral der eigentlichen Handlung.

Der Film wird großartig live am Klavier begleitet von Richard Siedhoff.

Worum es geht, sei nur kurz angedeutet in den Beziehungsverhältnissen:

Professor Gesellius – verheiratet mit Maria, kleine Tochter. Erforscht jahrelang in China die verheerende Wirkung von Opium. Schicksalsschläge (Mordverdacht, Entfremdung von seiner geliebten Frau) treiben ihn später nach Indien, wo er selbst dem Opium verfällt.

Sin, später Magdalena – wird von Professor Gesellius aus der Opiumhöhle von Nung Tschang gerettet. Illegitime Tochter von Nung Tschangs verstorbener Frau und Dr. Robinson senior. Liebt Professor Gesellius, gesteht, um ihn zu retten den Mord an Dr. Robinson jr., der gar keiner war.

Ali – treuer indischer Diener von Professor Gesellius, der mit ganz furchtbarem Gesichtsmakeup (das am Hals endet) und Turban auftritt. Rettet seinen Arbeitgeber gelegentlich aus höchster Gefahr.

Nung Tschang – Betreiber der Opiumhöhle, Stiefvater von Sin/Magdalena, auf Rache aus, weil er durch einen schurkischen Europäer (Dr. Robinson sen.) seine Frau verloren hat. Will sich auch an Professor Gesellius rächen, weil der seine Stieftochter gerettet/entführt hat (Ansichtssache). Taucht wie eine Art Schachtelteufel ständig überraschend auf und versetzt die anderen Charaktere mit sinistren Andeutungen in Schrecken.

Maria – Frau von Professor Gesellius, aufgrund seiner jahrelangen Abwesenheit Geliebte von Dr. Robinson jr. Verdächtigt ihren Gatten, den Geliebten ermordet zu haben.

Dr. Robinson jr. – Sohn von Dr. Robinson sen., Assistent von Professor Gesellius, nimmt sich das Leben, weil er es nicht mehr erträgt, seinen Gönner so hintergangen zu haben, aber auch nicht von der Leidenschaft für Maria lassen kann.

Dr. Robinson sen. – durch 17 Jahre langen Opiumabusus völlig zerrüttet, wird nach seiner Rückkehr in der Klinik von Professor Gesellius unter falschem Namen aufgenommen, damit sein Sohn ihn in diesem Zustand nicht erkennt. Als Professor Gesellius nach Indien abreist, übernimmt er wieder die Klinik.

Die Tochter der Geselliusens – klein, blond, von allen ständig geherzt. Leider versteht sie nicht, dass sie den Abschiedsbrief von Robinson jr., den er vor seinem Ende in ihrem Medaillon verstaut, ihrer Mutter geben sollte, so dass jahrelang alle von einem Mord ausgehen.

Ferner tragen zur Unterhaltung bei: Massenszenen in China, später in Indien, tanzende leichtbekleidete Damen in Opiumhöhlen und -träumen, Faune und Ziegenböcke (im Opiumtraum), Pferde, Elefanten und Löwen (in Indien).

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