Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Sekala Niskala – The Seen and Unseen

Sekala Niskala, das Sichtbare und das Unsichtbare macht Kamila Andini im Kino sichtbar. Tantra und Tantri sind Zwillinge, und wenn ein Zwillingspaar aus einem Jungen und einem Mädchen besteht, steht das in Indonesien für Harmonie und eine besondere Verbundenheit. Sie braten sich ein Ei, das Tantra vom Opfertisch geklaut hat, Tantri bekommt das Weiße, Tantra das Gelbe. Aber dann ist Tantra schwer krank, und im Ei ist kein Dotter mehr.

Bei Tag weigert sich Tantri das Krankenzimmer zu betreten, denn Tantra ist nicht mehr ansprechbar, blind, hört und fühlt nichts mehr. Wie viele andere Angehörige der Kranken übernachtet die Familie aber oft in einer offenen Halle des Krankenhauses. Da liegen dann viele Leute auf dünnen geflochtenen Matten. Nachts geht Tantri zu ihrem Bruder, spricht, spielt und singt mit ihm, er führt für sie Schattentheater auf dem Bettvorhang auf – was passiert, wenn der Mond von einem Monster gefressen wurde? –  Tantri bemalt und verkleidet beide als Hähne und sie tanzen einen Hahnenkampf – das aus Palmblättern geflochtene Kostüm ist wunderschön. Auch zu Hause ist Tantri nachts viel draußen und begegnet Geisterkindern, die in seltsamen Tänzen auftauchen und wieder verschwinden. Vielleicht träumt sie auch von ihnen. Die Mutter singt traurige Lieder. Ich glaube es ist gut, wenn jemand stirbt, und es dann traurige Lieder gibt, die man singen kann.

Das ist der zweite Film, in dem ein Kind an Krebs stirbt – beide sind wunderbar und sehr unterschiedlich. Während in Supa Modo die Protagonistin stirbt, geht es hier um die Trauer des übrig gebliebenen Geschwisterkindes. Während Supa Modo das Leben und die kleine Heldin feiert, wird hier ein sehr trauriger und sehr poetischer Abschied gezeigt.

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