Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Stycie Waweru

Supa Modo

Supa Modo von Likarion Wainaina beginnt mit einer Filmvorführung auf der Kinderkrebsstation. Der Text zum Film wird von einem jungen Mann eingesprochen (Echo: das ist ja genau wie hier bei den Kinderfilmen, nur viel lauter und mit mehr Geräuschen!), die Kinder sind begeistert. Auf dem Weg zu ihrem Zimmer fachsimpeln Jo und ihr Freund Kush über Superkräfte – Jo möchte am liebsten fliegen können.

Stycie Waweru

Stycie Waweru, die kleine Superheldin im Interview im Haus der Kulturen der Welt

Dann wird Jo von ihrer Mutter nach Hause geholt. Sie soll ihre letzten Monate bei der Familie verbringen. Ob das so eine gute Idee ist? Sie vermisst die FreundInnen aus der Klinik und muss meistens alleine bleiben, während Mutter und die große Schwester Mwix unterwegs sind.

Jo zuliebe inszeniert Mwix Situationen für die Superheldin Supa Modo (das heißt Superperson), angefangen von Salzfassrücken durch Superkraft, bis hin zum Handtaschenraub, bei dem Supa Modo die Tasche zurück gewinnen soll. Filmvorführer (und Kinobetreiber und Hochzeitsvideoregisseur) Mike findet es nicht richtig, Jo so zu belügen, aber „What harm lies in a little illusion?“

Die Frage ist, welche Illusionen sind die richtigen: die, die wichtige Wahrheiten aus falscher Rücksicht unterschlagen oder die, die wir mit Kreativität und bei vollem Bewusstsein schaffen, um uns selbst und anderen einen Freude zu machen? Die Antwort ist hier eindeutig, und als sie einmal gefunden ist, macht sich das ganze Dorf mit großer Energie und Einfallsreichtum an die Umsetzung. Das Ergebnis ist absolut herzergreifend – ich habe die ganze Zeit gerührt vor mich hingeschnieft.

Und dann steht da nach der Vorstellung die zauberhafte Stycie Waweru auf der Bühne, plaudert munter darüber, dass es ihr sehr schwer gefallen ist, für den Film die Haare abschneiden zu lassen – sie musste mit Pizza und dem Auftritt des Regisseurs in einem Kleid bestochen werden. Auf die Frage, wie ihre Haare so schnell wieder gewachsen sind, verrät sie, dass das nicht ihre richtigen Haare sind, die sind nämlich noch längst nicht wieder so lang. Sie findet Haare aber wichtig und wollte gut aussehen, und überhaupt, vertraut sie uns an, das machen wir so in Afrika, viele Frauen tragen falsche Haare, „we trick people“.

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