Berlinaleblog

69. Berlinale, 7.-17. Februar 2019

Außerdem gesehen…

Und hier noch die Sammlung von Filmen, die auch noch auf dem Programm standen. Reihenfolge mehr oder weniger zufällig.

And Your Bird Can Sing von Sho Miyake. Freundliche Sommer-Dreiecksgeschichte mit einer Protagonistin, die bestimmt, wo’s langgeht. Der Ich-Erzähler lässt sich mittreiben und sagt erst ganz am Schluss, was er sich wünscht. Schön. Beides.

Hölmö nuori sydän – Stupid Young Heart von Selma Vilhunen. Hat den Gläsernen Bären gewonnen. Komisch, da gab’s mindestens zwei Filme, die ich origineller fand. Schon kein schlechter Film, aber Bär?

Oufsaiyed Elkhortoum von Marwa Zein. Sehr wunderbarer Dokumentarfilm über Fußballerinnen in Khartum, die gerne eine Frauenfußballnationalmannschaft gründen und im Ausland spielen würden. Der Fußballverband enthält ihnen die von der FIFA dafür vorgesehenen Gelder vor, aber sie kämpfen weiter. Tolle, sehr humorvolle Frauen, die über Widrigkeiten herzhaft lachen können.

Breve historia del planeta verde von Santiago Loza hat den Teddy Award gewonnen. Transfrau Tania und ihre Freund*innen Pedro und Daniele müssen ein Alien dorthin bringen, wo die kürzlich verstorbene Großmutter es her hatte. Dazu folgen sie einer handgemalten Landkarte. Guter Film, anrührende oder beeindruckende einzelne Szenen, dafür ein bisschen wenig Handlung. Und wir haben uns gefragt, warum das Alien immer im Koffer bleiben musste.

Demons von Daniel Hui – junge Schauspielerin wird vom Regisseur misshandelt, wir dachten an die Singapur-Version von #Metoo, aber eigentlich war klar, dass das hier nicht einfach ein Spielfilm wird. Es gibt Szenen, in denen Beklemmung und Bosheit Gänsehaut verursachen. So ganz ausweglos wird’s dann doch nicht, denn die Verhältnisse sind nicht unveränderlich. Insgesamt war’s aber dann doch mehr Kunst als mein kleiner Kopf verträgt.

Système K von Renaud Barret – Straßenkunst in Kinshasa. Ungeheuerlich, woher Menschen in so prekären Lebensumständen die Kreativität und Kraft nehmen, so großartige Kunst zu machen: Bilder, Skulpturen, Musik, Performances. Teils schön, teils anrührend, teils beängstigend, befremdlich oder sogar eklig, aber immer total beeindruckend.

Photograph von Ritesh Batra (Regisseur von Lunchbox) – Indien, sich endlos anbahnende Beziehung zwischen junger Frau aus gutem Haus und Touristenfotograf, der vom Land stammt. So ganz hat sich mir nicht erschlossen, wovon die Frau sich angezogen fühlte. Dafür war seine taffe Oma klasse.

Charlotte Rampling – The Look von Angelina Maccarone. Untertitel: A Self Portrait Through Others. Charlotte Rampling spricht mit Leuten (Peter Lindbergh, Paul Auster…) über Themen (Exponiertsein, Alter, Schönheit, Dämonen, Tabus…). Dazwischen gibt es Szenen aus ihren Filmen. Es ist faszinierend ihr Gesicht den ganzen Film über so genau anschauen zu können, die Gespräche sind sehr interessant, und Fortbildung für alles (TM) ist der Film auch.

Dafne von Federico Bondi. Die Mutter von Dafne stirbt überraschend. Dafne muss sich um ihren Vater kümmern, den der Verlust ziemlich aus der Bahn wirft. In der Q&A erzählt der Regisseur, dass die Hauptdarstellerin Carolina Raspanti genauso ein sprühendes Energiebündel ist, wie ihre Dafne. Sie spielt phantastisch!

Knives and Skin von Jennifer Reeder – unser Abschlussfilm und nochmal ein grandioses Highlight. Highschool-Schülerin verschwindet, und je länger es dauert, desto absurder entfaltet sich die Kleinstadtwelt. Dazu gibt es einen großartigen Schulchor, eine schöne Liebesgeschichte, gelungene Rache an einem, der es verdient hat, und für alle die Perspektive, dass es einen Weg weg von hier gibt. Hat sehr viel Spaß gemacht.

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