Berlinaleblog

69. Berlinale, 7.-17. Februar 2019

Der goldene Bär: Synonymes

| Keine Kommentare

Eigentlich sollte Yi Miao Zhong von Zhang Yimou laufen, der dann aber – wie alle ohne jede vorgehaltene Hand munkeln aus Zensurgründen – zurückgezogen wurde. Stattdessen gab es zum Berlinalesonntag um 9:30 Uhr im Zoopalast 1 den Wettbewerbssieger. Nun ja, haben wir den auch gesehen. Synonymes von Nadav Lapid.

Ich war schon genervt, als der Held in der leeren Riesenwohnung, in der er übernachtet, bibbernd im Schlafsack herumhüpft – während alle Fenster geöffnet sind. Er hätte die ja mal schließen können. Außer im Bad, da fehlt ein ganzer Fensterflügel. Er duscht – offensichtlich kalt, denn er macht weiter Friergeräusche – und masturbiert ein bisschen. In irgendeiner Besprechung stand, damit auch wirklich niemand übersieht, dass er beschnitten ist. Echt mal, unter der KALTEN Dusche? Wer macht denn sowas? Es wurde dann auch nicht mehr besser.

Wobei: es gab eine Szene, die zum Tag passte. Ein Bekannter vom Helden, ebenfalls Israeli, zieht extra bevor er in die U-Bahn steigt, eine Kippa auf. Läuft dann durch den Waggon, summt ein bekanntes israelisches Lied und zwar direkt den Mitreisenden ins Gesicht. Nur, um antisemitische Reaktionen zu provozieren – bzw. negative Reaktionen als antisemitisch interpretieren zu können. Klappt aber nicht, niemand reagiert. Das ist genau dasselbe, was J. direkt vor dem Film passiert ist: da hat ein Idiot in der Kaffeeschlange am Bahnhofsstarbucks direkt vor ihr geraucht, und sie hat ihm gesagt, dass sie das stört. Da fragte er zurück, ob sie finde, dass er gleich aus Deutschland weg solle. Das ist so bescheuert, dazu fällt einer echt nicht schnell genug etwas ein.

Das war also das mit dem goldenen Bären. Muss echt ein schwacher Jahrgang gewesen sein.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.