Berlinaleblog

69. Berlinale, 7.-17. Februar 2019

Verspäteter Berlinalestart mit Goldie

Es gibt Leute, die ziehen nicht einfach irgendwas an, sondern schaffen durch ihre Kleidung eine blendende Präsenz. So wie die Frau heute in der U-Bahn, die in ihren pinkgefärbten Haaren eine große Glitzerrose, dazu pinke Ohrpuschel, einen Vintage-Mantel mit falschem Leopardenpelz an Kragen und Manschetten, eine bunte Tasche mit Glöckchen und eine Smartphone-Hülle mit pinkem Puschelbesatz trug.

So ist Goldie, Protagonistin im Film von Sam de Jong die ein Star sein möchte. Mit ihrer Tanzperformance vor kleinem Publikum auf der Bühne im Gemeindezentrum klappt das schon ganz gut. Die Szene ist super: das Filmpublikum denkt, nun ja, tanzen gab’s schon spektakulärer. Dann tritt Goldies kleine Schwester Supreme mit der Trommel auf. Sie trommelt so schlecht wie Goldie tanzt, aber das macht vor dem eigenen Publikum halt nichts, die jubeln begeistert, und das ist sehr schön.

Goldie trägt gold – oder gelb: die superkurzen Haare und Augenbrauen sind gelborange gefärbt, der Grundton ihrer Camouflage-Hose ist gelb. Sie klaut ein gelbes Teil, von dem ich nicht weiß, wie die Bezeichnung dafür ist – eine Art Badeanzug, aber nicht für den Strand. Und dann gibt es da noch den gelben Pelzmantel, der sehr, sehr teuer ist, ihr aber unglaublich gut stehen würde.

Goldie hat eine große Klappe, ist mutig, stark, aber auch sehr überfordert mit der Situation, als die Mutter in den Knast kommt. Sie will unbedingt die kleinen Schwestern vor Child Service retten, damit sie nicht getrennt werden. Gleichzeitig sind da die Aufnahmen für das Hiphop-Video.

Würde ich mich auch nur ein bisschen mit internationaler Mode auskennen, wäre mir wohl aufgefallen, dass die Schauspielerin Slick Woods nicht nur ein ganz besonderes Gesicht hat und wahnsinnig toll spielt, sondern im echten Leben ein weltberühmtes Model ist. Sam de Jong erzählt während der Q&A, dass sie bei der New Yorker Fashion Week ist, und dass sie tatsächlich ein sehr hartes Leben hatte. Anschließendes Minimalgoogeln fördert auf der Stelle einen Instagramaccount und jede Menge Klatschblattmaterial über ihren Werdegang zutage: Sie war, als sie von Ash Stymest entdeckt wurde, obdachlos. Auch ihre Mutter war – wie die von Goldie – im Knast. Sie hat hochschwanger während einer Modenschau Wehen bekommen und im Anschluss ihr erstes Kind geboren – das Foto von der Show ist schon ziemlich spektakulär. Und hier noch ein Interview, das sie der Zeitschrift Elle im September 2018 gegeben hat.

Das war ein guter Auftakt. Ich glaube, die diesjährige Farbe der Berlinale ist gelb.

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