Berlinaleblog

69. Berlinale, 7.-17. Februar 2019

The Miracle of the Sargasso Sea

Besondere Polizistinnen kann es im Kino gar nicht genug geben. Ein spezielles Exemplar ist Elisabeth in The Miracle of the Sargasso Sea von Syllas Tzoumerkas. Sie wird durch fiese Intrigen ihres Chefs aus der Antiterroreinheit abgezogen und als Polizeichefin in die Kleinstadt Mesolongi weggelobt. Dort ist zehn Jahre lang die unbeliebte Polizeichefin, die ihre Untergebenen autoritär schikaniert (schöne Szene, als sie in der Männerdusche einem Polizisten eine Akte in die Hand drückt, die er auf ihrem Tisch rumliegen ließ), zu viel trinkt, eine Affäre mit einem unsympathischen Internisten hat.

Die zweite Hauptfigur ist Rita, Motorradfahrerin, Arbeiterin in der Fischfabrik (Aale aus einem Becken keschern, töten, zerlegen). Ihr Bruder Manolis, anscheinend ein kleinkrimineller Feierabendclubsänger mobbt sie, er hat ein Flugticket nach Florida gefunden. Rita will weg, er wird das verhindern.

Die beiden Erzählstränge laufen ziemlich lange parallel, bevor sich die ersten Berührungspunkte ergeben. Auf beiden Seiten gibt es intensive Szenen, die gruslig deutlich machen, dass das Grauen in der Kleinstadt wohnt: der Auftritt von Manolis im Club, bei dem er Rita gegen ihren Willen auf die Bühne holt, oder die Dinner Party im Haus des Internisten, bei der die Zusammensetzung der Gäste gar keine andere Wahl lässt, als sich zu betrinken. Wobei: hier gibt es eine extra Erwähnung für Elisabeths fünfzehnjährigen Sohn Dimitris, der mit dem lernbehinderten Bruder des Staatsanwalts großartig Konversation macht: Du stinkst. Was, seit 7 Monaten nicht gewaschen? Du bist mein Held!

Ein Toter wird erst relativ spät gefunden, und Elisabeth braucht gar nicht sehr lange, das sorgfältig geknüpfte Knäuel wieder aufzudröseln. Was dabei ans Licht kommt, hält den Spannungsbogen aber locker bis zu einem Ende, das bei sorgfältigem Lesen des Titels eigentlich nahe liegt.

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