Berlinaleblog

69. Berlinale, 7.-17. Februar 2019

We Are Little Zombies

| 1 Kommentar

Makoto Nagahisa und Dolmetscherin

Makoto Nagahisa und die Dolmetscherin nach dem Film (ja, das ist ein Olympiade München 1972 Oberteil)

Vier 13 1/2-jährige (im Schnitt) begegnen sich im Krematorium, ihre Eltern sind gerade ums Leben gekommen. Sie tauschen Todesursachen aus, dass es wie Autoquartett klingt: Busunglück, Suizid (wegen überwältigenden Schulden bei Unterweltgangstern), Gasexplosion, Mord. Sie weinen nicht, aber das geht bei so langweiligen Beerdigungen auch nicht. Die gemeinsame Reise der vier beginnt im luxuriösen Heim von Hikari, dem Erzähler mit der Brille. Er hat Unmengen von Spielekonsolen und Spielen, und die vier stellen sich vor, in einem Spiel zu sein „We Are Little Zombies“. Der Fortgang des Films sind die Levels im Spiel, die vier müssen Gegenstände aus ihren früheren Leben erbeuten und Kämpfe bestehen. Wir erfahren die Vorgeschichte von allen vieren (alles super gefilmt, selber angucken!!!).

Irgendwann gründen sie nach Inspiration durch eine Obdachlosenband eine eigene Band, die „Little Zombies“ und werden von einem Influencer-Aushilfsnachtwächter entdeckt, der sie groß rausbringt. Die vier singen, dass sie nichts empfinden, dass sie kleine Zombies sind – ihr Publikum aber findet, das sei alles ja „so EMO“. Klar, dass das Spiel noch ein paar weitere Level braucht.

Der Film ist nicht nur ein Computerspiel (BUNT! LAUT!), sondern auch ein Musical. Es gibt tolle Songs, nicht nur von den Zombies, sondern auch ein großartiges Lied, das im Lokal kurz vor der Gasexplosion gesungen wird „Ein Oktopus ist so intelligent wie ein dreijähriges Kind“, und „Milch ist Liebe“, ein Punksong vom älteren Bruder des Jungen mit den Selbstmörder-Eltern. Und natürlich das Lied der Obdachlosenband.

Der Regisseur sagt vor dem Film, nach dem Abspann gäbe es noch eine Überraschung, die Leute sollten noch etwas sitzen bleiben – er hatte wohl Sorge, dass die, die zu früh gehen, einen ziemlich anderen Eindruck vom Ende des Films bekommen, als die, die länger bleiben. Er hat nämlich sozusagen zwei Enden. Wer bis zum Ende des Endes bleibt, kann danach mit einem Ohrwurm Richtung U-Bahn gehen, „We Are Zombies But Alive“.

We Are Little Zombies ist der erste Spielfilm von Makoto Nagahisa. Vorher hat er einen Kurzfilm gemacht – And So We Put Goldfish In The Pool (Youtube). Der wurde 2017 beim Sundance Filmfestival gezeigt und gewann den Short Film Grand Jury Prize.

Ein Kommentar

  1. Ulla

    Dies war mein Wundertütenabschlussfilm heute abend – „Ein Preisträgerfilm der Sektion Generation“ stand auf meinem Ticket. Und der Film ist ja selbst auch eine pralle Wundertüte voller Ideen, Einfälle und Krams. Ich war z.B. noch nie in der subjektiven Perspektive von Luft, die durch ein Röhrchen eingesogen und wieder ausgeatmet wird. Sehr, sehr originell! Zwischendurch gabs allerdings ein bisschen Ideen- und Wendungs und Sound-Overkill, fand ich. Aber zum Ende war alles wieder gut. Und tatsächlich, „We are Zombies but alive“ begleitet einen noch den ganzen Heimweg.

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