Berlinaleblog

70. Berlinale, 20.02.-01.03.2020

El prófugo – The Intruder

Das Intro zum Film ist super: schon bei seinem ersten Auftritt wird klar, dass der übergriffige, schmierige Leopoldo nicht der richtige Mann für Inés ist. Dazu hätte sie gar nicht die Bestätigung der Stewardess gebraucht, die ihr auf dem Flug in den Urlaub im Traum ungewollte Hilfe anbietet. Er überlebt den Urlaub auch nicht. Ende des Intros.

Es scheint sowieso ihr Thema zu sein, sich mit Leuten zu umgeben, die sie kontrollieren: die Mutter, die sich bei ihr einnistet, die Regie im Synchronstudio, wo sie arbeitet, selbst der Dirigent ihres unglaublich tollen Frauenchors – wobei es bei letzteren beiden durchaus zur Jobbeschreibung gehört. Und was ist mit dem jungen Orgelspieler mit den großen blauen Augen? Inés‘ Körper macht komische Geräusche, die auf den Aufnahmen bei der Arbeit zu hören sind. Auch im Chor bleibt ihr die Stimme weg und sie wird zu den Mezzosopränen geschickt. Gelegentlich sieht sie Leopoldo – im Publikum, auf einer Party. Eine alte Schauspielerin erklärt, sie hätte einen Prófugo, einen Eindringling, der von ihr Besitz ergreifen will, und sie müsse ihn loswerden. Traum und Realität lassen sich immer schwerer unterscheiden – ganz besonders für die Zuschauerin. Aber ist Loswerden überhaupt die Lösung? Oder geht es darum, wen wir hereinlassen wollen? Am Ende geht alles überraschend schnell, und die Schlussszene ist wirklich verblüffend. Und verblüffend plausibel.

Mir gefallen die Räume im Film: das Tonstudio mit seinen genial eingesetzten Glasscheiben: es sind gleichzeitig Ines, der Toningenieur und Reflexionen der Filme, die Inés synchronisiert, zu sehen (grusliges Zeug!). Was ich vorher auch nie im Film gesehen habe, ist das Innere einer Orgel.

El prófugo von Natalia Meta sei ein düsterer Film, hieß es. Das stimmt. Aber der Film ist düster und lustig, und das ist eine sehr gute Kombination.

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