Berlinaleblog

70. Berlinale, 20.02.-01.03.2020

Mignonnes – Cuties

Mignonnes nennt sich eine Gruppe frecher, wilder Mädchen an Amys neuer Schule. Klar, dass Amy unbedingt dazugehören möchte. Die Mutter ist mit ihren drei Kindern von Senegal nach Frankreich gezogen. Alles wartet auf die Ankunft des Vaters, aber der hat sich in der Zwischenzeit eine zweite Frau genommen. Die wird er mitbringen, und die Aufgabe von Amys Mutter ist es, eine große Hochzeitsfeier vorzubereiten. Wie viel ihr das ausmacht, lässt sie sich vor den Tanten und der Gemeinde nicht anmerken.

Amy versucht anzukommen. Sie klaut das iPhone eines Cousins und versucht, sich im Internet in Sachen Dance Moves weiterzubilden. Vollkommen ignorant gegenüber den kulturellen Codes, findet sie Videos von Tänzerinnen, die sich vor allem auf dem Boden räkeln und mit dem Hintern zucken. Das übt sie fleißig vor dem Badspiegel.

Was mir am Film von Maïmouna Doucouré gut gefällt: das Leben in Europa wird nicht als ein Idealbild von Emanzipation gezeigt. Ihre konservative Herkunftskultur und die schwer zu verstehende neue Umgebung machen Amy gleichermaßen das Leben schwer. Dabei denunziert der Film weder die muslimische Gemeinde insgesamt, noch idealisiert sie eine vermeintliche westliche Freizügigkeit. Erst in der Auseinandersetzung mit beiden Welten, lernt Amy zu fliegen. Fast wörtlich.

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