Berlinaleblog

70. Berlinale, 20.02.-01.03.2020

Notre-Dame du Nil

Im Eliteinternat tragen die Mädchen Schuluniformen und nachts alle dieselben weißen Nachthemden. Die Schülerinnen blödeln im Schlafsaal herum, nachts tanzen sie im Regen. Die Nonnen teilen die Mädchen zu Arbeiten ein – die Statue der Madonna am Nil putzen (eine der Nilquellen, hier noch ein ganz kleiner Bach), im Archiv aufräumen und andere Aufgaben. Beim Putzen der schwarzen Statue geht plötzlich an der Hand die Farbe ab, und es wird deutlich, dass es eigentlich nur eine angemalte weiße Madonna ist. Im Archiv finden die Mädchen alte Fotos, anhand derer unauffällig Geschichte einfließt.

Das Gift des vermeintlich ethnischen Konflikts wird von Gloriosa, der Tochter eines Hutu-Ministers, in die Schule getragen. Die weiße Mutter-Oberin und der schwarze Priesters tun nichts, um die Eskalation aufzuhalten. Auch der Nachbar, ein weißer Grundbesitzer, mit seinem obsessiven Faible für eine Tutsi-Königin längst vergangener Jahrhunderte, deren Grab er auf seinem Grundstück glaubt, gehört zum System derer, die Differenzen zementieren. Es ist beim Zusehen schwer auszuhalten, aber die Eskalation wird nicht gestoppt.

Ein Afghane – Atiq Rahimi – dreht in Ruanda Notre-Dame du Nil nach dem gleichnamigen Roman von Scholastique Mukasonga. Darf er das? Das war gleich die erste Frage einer Zuschauerin nach dem Film. Ob sie das einen europäischen Filmemacher auch gefragt hätte?

Kommentare sind geschlossen.