Berlinaleblog

70. Berlinale, 20.02.-01.03.2020

Paradiese Drifters

Paradise Drifters zeigt drei junge Menschen in einem Roadmovie ohne Road. Chloe wurde von ihrem Stiefvater vergewaltigt und ist schwanger. Sie bekommt eine Adresse in Barcelona – und ich habe ewig nicht verstanden, wozu die dienen könnte. Lorenzo will für seinen großen Bruder, der im Knast ist, eine Fahrt mit dem Auto machen, nur eine – nach Marseille. Yusef, ein Flüchtling, begeht seinen Abschied aus irgendeiner Institution. Er bleibt stumm über seine Pläne, denn er hat keine. Von einem Betreuer bekommt er eine Taschenlampe geschenkt. Zwei der drei Namen werden im Film nie genannt. Es dauert eine Weile, bis der Film die drei zusammenbringt. Bis dahin wird die Hoffnung der Zuschauerin, dass alles besser werden wird, wenn sie sich erst einmal zusammen getan haben, immer kleiner. Dabei ist es gar nicht so, dass sie sich passiv ihrem Schicksal ergeben, sie tun etwas, sie machen sich auf einen Weg. Aber außerhalb von Mainstream-Kino ist das Scheitern eine sehr reale Option.

Immer wieder gibt es Aufnahmen von Sachen oder Übernachtungsplätzen von Obdachlosen, oder von schmuddeligen Betten in heruntergekommenen Räumen. Aber das sind nicht die Sachen oder Betten der Figuren, sondern die, von denen der Film auch handeln könnte. Mees Peijnenburg erzählt in der Q&A, wie er Geschichten gesammelt hat, über die Arbeit am Film, warum diese Technik (16mm), über das Casting, wie er Szenen erarbeitet, und dass beim analogen Filmen eine große Konzentration notwendig ist, wenn die Kamera läuft. Das Großartige an dieser Q&A ist, dass es sehr interessant ist, all diese kreativen Prozesse und Entscheidungen ausgesprochen zu hören, aber eigentlich war im Film schon alles zu sehen. Das ist großartig.

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