2022: die Berlinale kehrt in die Kinos zurück… wie geht das überhaupt?

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Ende Januar ist für mich an Berlinale nicht zu denken: angesichts der steigenden Inzidenzen fühlt sich die Vorstellung von Schlangen an Ticketschaltern und Einlass einfach viel zu seltsam an. Als Anfang Februar dann das Programm online geht,  … schaltet sich die Neugier zu: wenigstens mal schauen! Und dann steigen Rührung und Erinnerung… ja, es ist ein richtiges Berlinale-Programm. Irgendwie wollten wir es bis dahin nicht wirklich glauben.

Die geltenden, sehr strengen Hygienevorschriften bringen allerdings das Pandemie-Bewußtsein schnell wieder auf Trab: die Lieblings-Schiene Generation… mit Dutzenden Kindern im Kino – wie soll das gehen? Immerhin werden die Plätze nur im Schachbrett und mit Maskenpflicht am Platz besetzt… Und vielleicht lässt es sich ja wenigstens mal ausprobieren: an geräumigen Spielorten wie HKW oder Akademie der Künste?

Als wir begreifen, dass Tickets nur online verkauft werden, und nun also auch uns das 10-Uhr-Drama droht, sinkt die Lust wieder erheblich. Irgendwie gehörte doch auch das Schlangestehen zur Berlinale! Und so kommt es, wie es kommen musste: die ersten Kartenkaufversuche misslingen. Aber die an verschiedenen Stellen wiederholte Aufforderung der Organisatoren, es doch auch später nochmal zu versuchen trotz ausverkauft angezeigter Filme nehme ich ernst und es führt dazu, dass ich doch immer wieder nochmal schaue – und siehe da: 24 Stunden vor der Eröffnung von Generation sind für beide Schienen Kplus und 14plus plötzlich wieder Karten verfügbar.

Schlagartig setzt die bekannte Berlinale-Euphorie ein. Als Folge wird doch nochmal das 10-Uhr-Experiment gestartet und diesmal haben wir Glück: heissa. Wir freuen uns – und die Vorfreude steigt. Zum bekannten Kribbel gesellt sich aber weiterhin das unsichere Gefühl, wie das Ganze wohl ablaufen wird und dass wir etwas sehr Unvernünftiges tun.

So starten wir frühzeitig zur Eröffnung von Generation und sind beeindruckt, wie geruhsam alles abläuft. Langsam schwant uns, welchen Luxus es darstellt, in halb gefüllten Räumen so hochklassiges Kino schauen zu dürfen. Aber der Luxus heisst auch, in der Eröffnung von Generation – Kplus (!) nahezu ohne Kinder zu sitzen. Vor allem sind keine Gruppen vor Ort… alles irgendwie sehr seltsam! Im Jugend-Programm läufts dann ganz genauso…

Mit diesem Festival-Jahr wird auch die langjährige Sektions-Leiterin Maryann Redpath verabschiedet. Grad für sie muss sich das sehr fremdartig und traurig angefühlt haben: diejenigen, für die sie über Jahrzehnte gearbeitet hat, sind garnicht anwesend. Handgreiflicher kann der Verlust und die vorsichtige Rückkehr nicht sichtbar werden…

Dafür haben wir aber vermutlich schonmal eine Hypothek auf das niedlichste Filmtier aufgenommen mit dem Eröffnungsfilm Oink bzw. Knor – und das Politische im Alltäglichen, ein weiterer Berlinale-Topos, erleben wir dann auch gleich noch mit dem 14plus-Eröffnungsfilm Allons Enfants – er stellt uns hip-hop-begeisterte Jugendliche aus benachteiligten Familien vor, die an einer Schule im Zentrum von Paris gefördert werden.

Und danach ist klar: same, same but different… und davon brauchen wir definitiv mehr!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. micha

    Wie schön! Ja, genau das waren auch meine Gedanken: geht das überhaupt? Ist das total leichtsinnig? Und jetzt mache ich merkwürdige Kompromisse mit mir selbst, fühle mich in nach geltendem Reglement ausgelasteten Kinosälen nicht so ganz wohl, aber es ist doch Berlinale, und ich bin dankbar über jeden Film, den ich sehen kann.

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