Dreaming Walls

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Ein Film über das Chelsea Hotel in New York muss unbedingt ins Programm. Es spielt nämlich eine wichtige Rolle in meinem Leben. Mit 18 kaufte ich für 3 DM auf dem Flohmarkt eine „Best-of“-Leonard Cohen LP. Darauf war „Chelsea Hotel No.2„, und ich bin bis heute davon überzeugt, dass mir dieses Lied damals quasi das Leben gerettet hat. Und 9 Jahre später hat selbiges eine Wendung genommen, während ich eine halbe Stunde in Manhattan davor stand und es angeglotzt habe. Also, ich bin dem Chelsea Hotel viel schuldig.

Dreaming Walls ist aber „eigentlich“ gar kein Film über ein Haus, sondern über

über Erinnern, Alt werden, sich jung fühlen, Geister, Veränderung und Eigensinn, Zerstörung und Bewahren. Seit über 9 Jahren wird das Gebäude „saniert“, oder, wie ein Mieter sagt, „in Zeitlupe vergewaltigt“. Im Prinzip ist es ein Skelett mit Fassade, und dazwischen sind ein paar Apartments, in denen noch ein paar alte Leute wohnen. Seit den 1970er oder 80er Jahren. Die sind die faszinierenden Hauptpersonen in dem Film, und wie sich ihre Erzählungen, ihre Erinnerungen, unsere Erinnerungen und die Mythen um das Hotel vermischen, ist sehr großartig. Sie kämpfen auch um das Hotel, aber leider in verschiedene Richtungen: die einen wollen, dass die Bauarbeiten möglichst schnell zum Ende kommen, und die anderen, dass sie möglichst nicht zu Ende kommen. Am Ende ist es aber egal. Zwei Personen sind während der zwei Jahre Drehzeit verstorben, darunter die Künstlerin und Fotografin Bettina Grossman . Am schönsten war es aber, in der Rollator schiebenden gebückten Tänzerin Merle die junge Frau zu sehen, die vor 40 Jahren im Treppenhaus eine Tanzperformance inszeniert hat und heute in diesem Treppenhaus wacker das Treppensteigen trainiert und die Kollegin von damals nochmal zum Treppentanz holt.

Das war ein toller Film! Ich bin sehr froh, dass Micha die Karte ergattert hat. Danke, danke, danke.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. micha

    Es war mir eine große Freude, den Film mit Dir zusammen zu sehen. So ähnlich geht Berlinale, auch wenn es keine Q&A danach gab. Stattdessen gibt es Berlinale Meets, ein Video, in dem sich Silke Möller von der Panoramaauswahlkommission mit den Regisseurinnen unterhält.

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