Samstag, 20. Februar 2010
Generation-Kurzfilme statt ominöse China-Doku!
Das war eine gute Entscheidung! Sechs Kurzfilme aus dem Generation 14+-Programm, davon waren (statistisch ausgedrückt):
- 66,6% im Ton erbaulich, 33,3% eher unerbaulich
- 50% (naja) Liebesgeschichten, 50% Problemgeschichten
- 50% Englisch, 50% andere Sprachen (Spanisch, Polnisch, Neuseeländisch)
- 16,6% völlig (wirklich völlig) unverständlich: Da Neuseeländisch offiziell "Englisch" heißt, gab es für den Film keine Untertitel; nichtsdestotrotz haben die beiden jungen Menschen, von denen einer am Schluss tot war (warum? wieso? Selbstmord? Überdosis? Unfall?) eine mir gänzlich unzugängliche Sprache gesprochen; ich habe noch nie einen Film so wenig verstanden. Warum hatte das Mädchen so viele Narben und blaue Flecken? Warum hieß der Film "Redemption"? Und um was ging es?
- 16,6% (über verliebte Roboter) von Spike Jonez, mit schöner Musik (The Lost Trees), ganz nett.
- 16,6% richtig toll:nämlich Poi Dogs aus Hawaii, in dem ein rie-hie-hiesiger Footballspieler auf einem winzigen, kaputten Mofa eine dralle Tubabläserin trifft, die zunächst grimmig kuckt, dann aber das Mofa repariert, so dass am Schluss alle drei (Riese, Riesin und Tuba) auf dem immer noch winzigen Mofa nach Hause fahren. Und an zwei skinny bitches mit Angeber-Auto vorbeiziehen. Das hat wirklich Spaß gemacht!
Der Tag des Spatzen...
...ist sicher einer der intelligentesten und interessantesten Filme, den ich seit langem gesehen habe. Wie das Programmheft sagt, geht es um den Krieg in Afghanistan (bzw. die Frage, ob da ein Krieg ist) und um Vögelbeobachten. Völlig abwegige Verbindung denkt man vor dem Film - nach dem Film fragt man sich, warum man die völlig offensichtlichen Verbindungen je nicht sehen konnte!
Kyoto Story
Das Lustigste an Kyoto Story war der Auftritt aller Beteiligten vor der Vorstellung. Die beiden Regisseure, der Produzent, ein Dozent von der Uni, die Hauptdarstellerin, eine studentische Hilfskraft: alle durften sie nacheinander sagen, dass es in Kyoto früher eine blühende Filmindustrie gab (in den Studios nahe der porträtierten Gegend wurde Rashomon gedreht!), die aber ausgestorben ist, dass mithilfe der Universität und ihrer Studenten die Situation in einer alten Einkaufsstraße gründlich recherchiert wurde, und dass so ein schöner Film mit einer Liebesgeschichte entstanden ist, den wir jetzt genießen sollten. In leichten Variationen wurde das also mindestens fünf Mal wiederholt, die anwesenden Studente in der ersten Reihe durften auch noch kurz aufstehen.
Die Geschäfte, die gezeigt wurden, haben mir gut gefallen, vor allem der Tofuladen (der zweite der diesjährigen Berlinale nach dem in Dooman River). Die Liebesgeschichte ist eher uninteressant. Die Protagonistin, Bibliothekarin der Unibibliothek und Tochter des Wäschereibesitzers, hat anscheinend ein Faible für Komiker, wovon der Nachbarssohn wirklich einer werden will - jedenfalls lieber als den Tofuladen zu übernehmen, der andere, der "Visiting Scholar", ständig unfreiwillig Slapstickeinlagen gibt. Der eine ist sehr um seine Komikerkarriere bemüht, der andere will sie unbedingt mit nach China nehmen, keine leichte Entscheidung für die Protagonistin, aber trotzdem hätte ich ihr dabei nicht zwingend zuschauen müssen.
Portraits Deutscher Alkoholiker - wunderbarer Vorspann
Was für ein stimmiges Format: Wir hören die Geschichten, sehen die Personen jedoch nicht, dafür sehen wir sehr bemerkenswerte Bilder, in denen quasi ein Portrait der Umgebung der jeweiligen Person gezeigt wird, die Fassade hinter der alles stattfindet, die scheinbar in Ordnung ist. Mein Lieblingsvorspann: Wir schauen in einen Raum, der mich an den Gemeindesaal der Evangelischen Kirche erinnert, kleine Tischgrupppen für ein eventuelles Kaffeetrinken, keine Menschen, in der Mitte eine Art Bühne auf der Mittig eine Büste steht, rechts und links schwerer Samtvorhang. Nun ziehen sich die beiden Vorhänge auf und rechts und links von der Büste beginnt eine Wassershow mit kleinen, sich ständig wandelnden Springbrunnenfontänen in wechselnden Formationen und Mustern. Von diesem absurd anmutenden Ensemble erheitert und entzückt wird der Vorhang wieder geschlossen und der Film beginnt. Wunderbar! Noch ein Bild, das sich einprägt: eine riesige elektrische Orangensaft-Presse, der wir minutenlang dabei zusehen, wie sie die Orangen in zwei Trichtern oben einfängt, dann zerteilt und presst, und die Ärmchen mit den Trichtern wieder nach oben wandern, um sich neue Orangen abzuholen! Oder eine Machine, die verschiedene Medikamentenpackungen einsammelt und in ein Regal einsortiert, dabei diverse Zahlen kombiniert, um zu wissen, wohin... faszinierend! Manchmal ist es laut, wenn Züge durch die völlig graue Industrielandschaft brettern oder Flugzeuge starten und landen. Beeindruckende Bilder und natürlich die Geschichten der Menschen, die vorallem ihre wundersam konstruierten Strategien und Ausflüchte erzählen, wieso sie sich jahrelang vormachen konnten, kein Problem zu haben. Langsam gen Ende spitzen sich die Schicksale zu, zunächst scheinen Leben und Karriere auch gut mit Alkohol zu funktionieren, oder gar besser, dann kippen die Geschichten. Stimmig und sehr konsequent in der Machart.
Freitag, 19. Februar 2010
bewertung: ärgerlich & uninteressant
putty hill... so kommts, wenn man für jemanden mit kino aussucht, und 5 von den 5 auserwählten filmen schon ausverkauft sind, man sich dann für den 6. als notfalllösung entscheidet, nur um auf alle fälle karten zu haben... wir werden zunächst mit zahlreichen langweiligen pseudo-interviews überhäuft, die keinerlei tiefe und überhaupt keine aussagekraft haben... wie wir in der diskussion vom regisseur erfahren, stand das thema des films ohnehin zu beginn noch nicht fest, und die unzusammenhängenden spontan-fetzen, die z.T. noch von einem alten film übrig geblieben waren, bekamen erst später den plot, daß die hauptfigur an einer überdosis verstarb... immer die gleichen 3 fragen: wie alt bist du, wie heißt du, kanntest du cory? was tust du so?... wäre es eine wahre doku gewesen hätte man sich damit trösten können, daß die jugendlichen einfach nichts zu sagen haben, so als dokumentarisch angehauchtes stilmittel fand ichs grauslich flach. wenn wir schon in ein milieu eintauchen, das wir nicht kennen, möchte ich doch bitteschön ein bischen was dazu lernen oder erfahren... wozu sonst die pseudo-doku? später treffen wir all diese leute dann bei einer karaoke-lastigen beerdigungsfeier, und: man halte sich fest, wir blicken auf ein portraitfoto eines jungen mannes, der den toten cory darstellen soll... in der diskussion stehen 2 kinobesucher völlig fassungslos auf, um den filmemachern zu berichten, daß sie den jungen mann auf dem foto persönlich kennen und dieser ganz bestimmt nichts von der veröffentlichung seines portraits wisse.... statt betretenem schweigen bekamen wir nur die antwort: "na dann sagt ihm mal, er soll sich melden, das bild hat gut gepasst, wir haben ihn aber nicht mehr getroffen , um ihn zu fragen..." ich sage nur: das kann teuer werden! ach, und das thema des films entstand, da herr regisseur im letzten jahr selbst eine krise hatte und viel über leben und tod nachgedacht hat... sehr aufschlußreich! wir konnten uns beide in der bewertung nicht entscheiden und haben uninteressant und ärgerlich angekreuzt!
Congo in Four Acts
Einer der vier Regisseure von Congo in Four Acts war von der Berlinale eingeladen worden. Die Botschaft in Kinshasa hat aber weder für ihn, noch für zwei Personen, die am Film Kinshasa Symphony beteiligt waren, Visa ausgestellt. Die Frau vom Forum (leider ist Herr Terhechte der einzige, der sich immer vorstellt, also kenne ich ihren Namen nicht) berichtet, dass im Vorfeld täglich zigfach telefoniert wurde, bis hin zum Büro von Außenminister Westerwelle. Erst letzten Dienstag kam dann die endgültige Ablehnung. Die Bedingungen fürs Ausstellen eines Visums waren erfüllt (Anlass, Rückfahrkarte, Kostenübernahme), wie kann es sein, dass da bürokratischen Arschlöcher sich im Namen der Bundesrepublik anmaßen, vollkommen willkürlich ihre Macht zu missbrauchen, ein Visum zu verweigern, nur weil sie es können? Sehr widerlich und auch sehr peinlich. Das Publikum reagiert sehr empört, der Produzent, der in Belgien aufgewachsen ist, und deshalb sein Visum nicht bei der deutschen Botschaft beantragen musste, freut sich zu hören, dass seine Kollegen bei uns willkommen gewesen wären.
Der Film entstand aus einem Ausbildungsworkshop für junge Filmschaffende, bei dem junge Regisseure lernen sollten, ihren eigenen Blick auf das zu finden, was sie zeigen wollen. Das gelingt, denn in diesen vier kurzen Filmen erfahren wir Dinge, von denen teilweise nicht zu ahnen ist, dass es so etwas gibt. Die beiden Extrembeispiele, die in allen Besprechungen genannt werden, sind die Frauen, die die Entbindungsstation nicht verlassen dürfen, bevor sie nicht die Rechnung bezahlt haben - zur Not in Naturalien wie Ohrringen oder Stereoanlagen - und die Kleinkinder, die in der Mine ihrer Mutter beim Steineklopfen helfen. Da sitzt ein Kind, das kann sicher kaum laufen und haut mit einem Metallwerkzeug auf Steinbrocken. Es wirkt ein bisschen wie ein Spiel, dadurch aber umso erschreckender.
Berlinale 2010: Das wars für Uta
Zuerst einmal einen herzlichen Dank an Micha für Deine Blogging-Gastfreundschaft und an die Initiative, dieses geniale Mittel eingerichtet zu haben.
Mit diesem Jahr habe ich für mich endgültig entdeckt, wie toll das ist, hier mitzuschreiben. Persönliche Chronik, gemeinschaftliches Entdecken, Interaktion auf dem Weg in fremde erstaunliche neue Welten - Danke!
Dann: für mich endet die Berlinale schon HEUTE - morgen bin ich auf Reisen anderswohin... Euch noch gute Reise in die Welten der Anderen in den nächsten drei Tagen.
Shahada
Ein Kammerspiel - Vor- und Nachspann sind wunderbar. Thematisch in Relation zu 'Die Fremde' - wenn es dort um Tatsachen geht, geht es hier um Fragen. Während 'Die Fremde' in einer konservativ-stringenten und damit filmisch unspektakulären Form abläuft, ist 'Shahada' weitaus komplexer konstruiert. Im Mittelpunkt stehen die Ereignisse um lose durch das Leben miteinander verbundene Protagonist-inn-en, die alle auf der Suche nach ihrer persönlichen Lösung für Lebens- und Glaubensfragen sind. Eingeteilt werden diese Ereignisse und ihre In-den-Blick-Nahme in verschiedene Kapitel, die Namen haben, die aus der islamischen Glaubenspraxis kommen (Shahada = Vater-Unser... das stimmt vielleicht nich ganz, gibt aber die Richtung ganz gut an).

