Montag, 15. Februar 2010
Tanzträume - Jugendliche tanzen Kontakthof von Pina Bausch
Wieso hab ich nur nie Karten bekommen für Pina Bausch... einige Male hatte ich das versucht... jetzt also nicht live sondern im Kiez-Kino im Kant! Berlinale, so wie es sich gehört, im Anschluß an den Film eine Busladung Jugendlicher aus Wuppertal auf der Bühne, und natürlich die 2 großartigen "Trainerinnen" aus Pinas Company, Kamera, Regie....... alles da.... Standing Ovations nach der Vorstellung, ein Highlight. Natürlich kommt der Film ins Kino, aber ihn so zu sehen, hat mein Berlinale-Fieber neu aktiviert. Ähnlich wie "Rhythm is it" und andere solcher Projekte, die es ja inzwischen häufiger zu geben scheint, rühren natürlich diese jungen Leute in ihrer Ernsthaftigkeit und mit ihrem Blick aufs Leben sehr an. Ich glaube Ihnen sofort, daß das Projekt ihr Leben sehr verändert hat, und ich bin der festen Ansicht, daß es kaum bessere Möglichkeiten gibt, um Lebenthemen wie Kontakt, Liebe, Begegnung aber auch Motivation, Präsenz, Mut und Willenskraft zu erfahren und zu üben. Eigentlich saß ich im Kino und fragte mich, wieso ich bei sowas nicht selbst mitmachen kann und würde gerne mit Tanzen. Cool, wie der Rapper, der sich im Interview selbst nur als "ich bin der Zigeuner aus dem Film" vorstellt, heute fürs Ballet wirbt und gerne professionell tanzen möchte. Natürlich auch süß ohne Ende, die Teenies. Ich will auf alle Fälle mal recherchieren, was es noch an Pina Bausch Dokumentationen gibt, tolle Frau, überhaupt 3 wahnsinnig tolle Frauen mit enormer Ausstrahlung. Rund um Lob, großes Kino für mich am Sontag als einziger Film nach dem Atemworkshop. Ach, im Übrigen: Ulla, wir müssen nach Wuppertal, diese Hochbahn ist der Hammer....
Sonntag, 14. Februar 2010
Zum ersten Mal Metropolis überhaupt...
... sollte es in diesem Jahr für mich werden und dann auch noch die persönliche Eröffnung der Berlinalen... wurde es dann auch, aber anders als geplant Pantoffel-Kino bei Arte! Ein kurzfristig zu Besuch gekommener Freund bekam meine Karte abgetreten und ging gemeinsam mit Max hin. Ich war (trotzdem) beeindruckt, wie stilbildend dieser Film doch geworden ist (Blade Runner natürlich, aber auch manch anderes was jetzt zu weit führen würde, habe ich erinnert) und das trotz des doch recht platten Plot. Sehr interessant war auch die hinterher von Arte gesendete Dokumentation zur neuen Restaurierungs-Fassung mit erstaunlich viel zu allen möglichen Aspekten des Films in 45 Minuten.
Sonntag, 22. Februar 2009
Adam Resurrected
Die ersten Berlinale-Filme der Saison liefen diese Woche im Kino an; einer, der schon auf anderen Festivals lief und auf der Berlinale im Spezialprogramm untergebracht war, ist Adam Resurrected (der Link geht noch aufs Berlinale-Programm, als Nachtrag sozusagen). Im Eiszeit wurde er als Doppelprogramm mit Homeland (gibt's nicht bei IMDB) gezeigt. Eine Kombination, die erstaunlich gut funktionierte. Beide Filme spielen in der gleich aussehenden Wüste, in beiden geht es um Holocaust-Überlebende, beide Filme sind seltsam anzusehen.
Der deutsche Titel "Ein Leben für ein Leben" ist übrigens nicht stimmig, denn dieser Satz verfehlt das Hauptthema des Films, die Auseinandersetzung von Adam, der "als Hund" überlebt hat, mit dem Jungen, der sich für einen Hund hält. Eigentlich geht es ums Hundsein im Gegensatz zum Menschsein - was heißt Hundsein? Ist es manchmal notwendig? Ist es erlaubt? Wem? Wann? Unter welchen Bedingungen? Neben Adam und dem Jungen bellt auch die Krankenschwester Gina gelegentlich für Adam.
Der Ausdruck "ein Leben für ein Leben" zitiert den Lagerkommandaten Klein, der Adam im KZ als Hund hält, ein Hundeüberleben im Austausch dafür, dass Adam ihn einmal "gerettet" hat (Klein war Zuschauer im Kabarett, und Adam hat ihm "angesehen", dass er sich umbringen wollte, und hat ihn zum Lachen gebracht), und dass er ihm sein Kommandantenleben im KZ erträglicher gestaltet. Allerdings ist im Tauschhandel nur ein Leben enthalten, keines mehr, was für Adam Schuld gegenüber seiner Familie bedeutet, die nicht überlebt hat.
Letztendlich geht es um die Befreiung aus dem Hundsein, ums Menschwerden, auch wenn das noch lange kein Happy End bedeutet.
Freitag, 13. Februar 2009
Ein Film zur Krise
Großes Berlinaleprogramm im Cinema Paris (das hatte ich viel größer in Erinnerung), mit rotem Teppich inklusive wartenden Fans, Scheinwerfern, Menschen, die noch Karten suchen, Regisseurin, vom sachverständigen Publikum frenetisch bejubelten Hongkong-Kino-Stars (Aaron Kwok s. Bild.) und verspätetem Anfang.
Baiyin diguo will großes Kino sein: wunderschöne traditionelle chinesische Häuser, fantastische Landschaftsaufnahmen, scherenschnittartige Schatten werfende Kamelkarawanen in der Wüste, nebeldurchwaberte grüne Berge wie aus der Tuschmalerei, prächtige Gewänder, schwungvoll geworfene Qing-Zöpfe bei den Herren - und putzige Special-Effects-Wölfe mit glühenden Augen. Dazu Familienepos, eine Banker-Saga um Loyalität und Kundenbindung und darum, wie selbst eine unerfüllte Liebe moralisches Handeln im Sinne der Bankgründer-Ahnen begünstigt.
Christina Yao hat einen Film zur Finanzkrise gemacht und gibt auch ganz offen zu zu hoffen, dass das Thema dem kommerziellen Erfolg des Films helfen wird. Gleichzeitig sagt sie - und das klingt nun wirklich fast so niedlich wie ihre Wölfe - dass Hoffnung darin besteht, dass die Leute, die die Macht haben, das Richtige tun. Na, da kann man nur hoffen, dass viele Banker demnächst mal in diesen Film gehen.
Sonntag, 11. Februar 2007
Comrades in Dreams
Comrades in Dreams war Berlinale auf der Meta-Ebene. Vier Länder: Indien, Burkina Faso, USA, Indien und Nordkorea - viermal Kino: im Zelt, unter freiem Himmel mit gemauerten Sitzbänken und gemauerter Leinwand, in einem kleinen Bretterhäuschen und im Kultursaal des Kollektivs - und mehr als vier verschiedene Leben derer, die die Kinos betreiben.
Ein sehr wunderbarer Film, der mir viel Neues über die Welt erzählt: Wo sonst erfährt man schon, dass es in Nordkorea möglich ist, den Beruf des Kimchi-Forschers zu ergreifen? Wo sonst wird berichtet, dass das Publikum in Maharashtra, Indien mit Titanic nichts anfangen kann, weil einfach zu viel Wasser vorkommt, während derselbe Film einen Zuschauer in Burkina Faso zu Gedanken darüber inspiriert, wie schlimm es ist, nicht anzukommen.

