Sonntag, 21. Februar 2010
Besouro
Mein letzter Film der diesjährigen Berlinale. Auf dem Plakat steht, Besouro sei der erste brasilianische Action-Film. Gezeigt wird Capoeira statt Kungfu, die Choreographie dafür stammt vom Hongkonger Huan-Chiu Ku, der auch die Kampfszenen für Kill Bill, Tiger and Dragon u.a. choreographiert hat. Damit fliegt dann der legendäre Besouro (Kampfname Käfer, denn der ist schwarz und kann fliegen) ganz hervorragend. Die Geschichte hat als historisches Vorbild den legendären Capoerista Manuel Henrique Pereira, der wiederum Capoeira bei seinem Meister Alipio lernt. Es geht um den Kampf gegen Unterdrückung der Schwarzen durch die weißen Plantagenbesitzer und ihre Schergen, natürlich auch um Liebe und Verrat.
Was mir gut gefallen hat, waren die Tiere - der Käfer und die Kröte - und die Geister, die gelegentlich das Geschehen kommentieren oder auch ernsthaft beeinflussen. Ansonsten kann ich mir nicht so ganz vorstellen, dass mit diesem Film ein neues Genre kreiert wurde.
Samstag, 20. Februar 2010
Thriller mit Feuerwerk und Chaos im Internet
Heute waren nochmal zwei japanische Filme dran: Zuerst Goruden Suramba (Golden Slumber, falls es nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist), danach Summer Wars.
Goruden Suramba ist ein Thriller, der Titel bezieht sich auf den Beatles Song. Aoyagi wird von seinem alten Bekannten Morita zum Angeln eingeladen, in einem Auto, das nahe der Strecke geparkt ist, wo der Ministerpräsident im offenen Wagen vorbei paradiert, erfährt er, dass ihm das Attentat auf diesen angehängt werden soll - in dem Moment gibt es die Explosion. Aoyagi schafft es zu fliehen, merkt jedoch bald, dass die Polizei ihn einfach erschießen und damit den angeblichen Fall aufgeklärt haben will. Er bekommt Hilfe von einer alten Freundin, von einem Serienkiller, einem Unterweltexperten und einigen mehr, was der Handlung überraschende Wendungen gibt, und es kommt die großartigste Verschwinden-im-aller-allerletzten-Moment-Szene vor, die ich je gesehen habe (na gut: an die ich mich erinnern kann, was bekanntlich nicht sooo viel heißen muss). Eine gute Schlussszene gibt es außerdem. Rock'n'Roll!
In Summer Wars gerät das Internet aus den Fugen. Allerdings nicht das Internet, wie ältere Menschen wie ich es nutzen, sondern OZ, eine Art "Second Life" (was ich nie gesehen habe), wo putzige Avatare alles mögliche tun: spielen, shoppen, Business, Behördengänge - alles quietschbunt. Die zweite Welt, die mir (und vermutlich auch vielen ganz normalen japanischen Menschen) eher fremd ist, ist die einer japanischen Großfamilie, die eine jahrhundertealte Geschichte hat und auf dem Land in einem hochherrschaftlichen Anwesen wohnt. Kenji, der eigentlich einen Sommerjob in der OZ-Verwaltung hat, wird von Natsuki überredet, sie stattdessen zum Geburtstag ihrer Großmutter zu begleiten. Diese Welten prallen aufeinander, als in OZ ein böser Avatar namens Love Machine auftaucht und anfängt, die Accounts der OZ-User zu okkupieren... Ich kam mir ein bisschen altmodisch vor, was meine Internetgewohnheiten angeht, weil ich die OZ-Welt total uninteressant fand. Der Film insgesamt hat mich aber ganz gut unterhalten.
Freitag, 19. Februar 2010
bewertung: ärgerlich & uninteressant
putty hill... so kommts, wenn man für jemanden mit kino aussucht, und 5 von den 5 auserwählten filmen schon ausverkauft sind, man sich dann für den 6. als notfalllösung entscheidet, nur um auf alle fälle karten zu haben... wir werden zunächst mit zahlreichen langweiligen pseudo-interviews überhäuft, die keinerlei tiefe und überhaupt keine aussagekraft haben... wie wir in der diskussion vom regisseur erfahren, stand das thema des films ohnehin zu beginn noch nicht fest, und die unzusammenhängenden spontan-fetzen, die z.T. noch von einem alten film übrig geblieben waren, bekamen erst später den plot, daß die hauptfigur an einer überdosis verstarb... immer die gleichen 3 fragen: wie alt bist du, wie heißt du, kanntest du cory? was tust du so?... wäre es eine wahre doku gewesen hätte man sich damit trösten können, daß die jugendlichen einfach nichts zu sagen haben, so als dokumentarisch angehauchtes stilmittel fand ichs grauslich flach. wenn wir schon in ein milieu eintauchen, das wir nicht kennen, möchte ich doch bitteschön ein bischen was dazu lernen oder erfahren... wozu sonst die pseudo-doku? später treffen wir all diese leute dann bei einer karaoke-lastigen beerdigungsfeier, und: man halte sich fest, wir blicken auf ein portraitfoto eines jungen mannes, der den toten cory darstellen soll... in der diskussion stehen 2 kinobesucher völlig fassungslos auf, um den filmemachern zu berichten, daß sie den jungen mann auf dem foto persönlich kennen und dieser ganz bestimmt nichts von der veröffentlichung seines portraits wisse.... statt betretenem schweigen bekamen wir nur die antwort: "na dann sagt ihm mal, er soll sich melden, das bild hat gut gepasst, wir haben ihn aber nicht mehr getroffen , um ihn zu fragen..." ich sage nur: das kann teuer werden! ach, und das thema des films entstand, da herr regisseur im letzten jahr selbst eine krise hatte und viel über leben und tod nachgedacht hat... sehr aufschlußreich! wir konnten uns beide in der bewertung nicht entscheiden und haben uninteressant und ärgerlich angekreuzt!
Donnerstag, 18. Februar 2010
welcome to the rileys
James Gandolfini, einfach großartig der Mann, und das passend zu meiner derzeitigen Staffel-sucht von den "Sopranos"... Jake Scott, der Sohn von Ridley Scott (Thelma & Luise), macht den Scotts Ehre wie ich finde... nach dem Unfalltod der Tochter verfällt die Ehefrau in eine Art "Lebendigen Tod", verläßt das Haus nicht mehr, bestellt schonmal einen Grabstein für sich und Ihren Gatten, der - davon endgültig geschockt - mit den Worten " ich für meinen Teil bin noch am Leben" abreist, dann in einem Bordell "Ersatztochter" Mallory - im Übrigen toll besetzt, wie ich finde - kennen lernt und bei ihr einzieht, usw. ... die klassische und schon etwas abgenutzte Szene, eine Prostituierte nur zum Reden zu bezahlen, wird hier dennoch charmant umgesetzt.. großartig, die Szene, in der die Ehefrau mit der Stuhlelektronik kämpft, als sie das erste Mal versucht, das Haus zu verlassen, und der Sitz automatisch immer weiter nach vorhe fährt, und sie quasi vor dem Lenkrad einklemmt.. oder wahlweise in eine Liegeposition zurück kehrt. Oder der Unterwäschekauf für Mallory, hervorragende Modelle! Oder das Sandwich-Dinner, in derm die Mutter mit den Knien eng zusammen verklemmt quer zum Tisch sitzt....Nett kleine Details, schöne Farben, Humor, Charme, gut besetzt, schöner Film!
por tu culpa
mehr oder weniger 24 stunden kammerspiel in wohnung und krankenhaus... in den ersten 15 minuten müssen wir gemeinsam mit der mutter im film, die beiden kinder ertragen, die - so muß ich einfach zugeben - meine these, besser keine solchen plagegeister zu haben, enorm unterstreichen... ich glaube, ich könnte für ein gänzliches ausbleiben an gewalttägigkeiten nicht unbedingt garantieren.... in einer auseinandersetzung fällt der kleine sohn mit zutun der mutter vom schaukelpferd, daraufhin entdeckt der arzt im krankenhaus bei beiden jungs alte verletzungen, narben, blaue flecken und knochenbrüche.... wir sollten als zuschauer die schuldfrage durchleuchten... aber ich kam garnicht dazu, denn ich hielt die luft an, fing an, die neurosen der mutter zu teilen, in dem auch ich an meinen nägeln kaute und nervöse beklemmungen bekam... diese minutenlangen einstellungen, wartend vor irgendeinem behandlungsraum, man weiß genau, die geschichte ist in einem satz erzählt, wir müssen nur mit warten, aushalten, ansehen... ich bin mir nicht sicher, ich fand die hauptdarstellerin mit ihren fettigen haaren, ihren häßlichen händen und dem bleichen gesicht mit herpes einfach anstrengend anzusehen über 1,5 stunden... ich mochte den film nicht, kann garnicht genau sagen, wieso, einfach nur unwohlsein und nicht wirklich was lernen dabei gefällt mir nicht... anstrengend!
puh...noch immer geplättet....
von postcard to daddy....... da fehlen mir ein wenig die worte: unglaublich dicht, unendlich mutig, wahnsinnig persönlich, tief berührend und gleichzeitig atemraubend und fast lähmend.....
ulla kündigte mir an, der film beklemmt, anders als man es erwartet hätte - das stimmt! beklemmend ist für mich z.b. die tatsache, daß bei all den interviews mit angehörigen die tränen fehlen.. nicht, daß ich das nicht kennen würde, daß man die eigene geschichte oder heftige szenen mit einem scheinbaren emotionalen unbeteiligtsein erzähl....... dennoch, man hält die luft an. oder die aussage des vaters auf die frage, wieso er sich all die jahre so wenig damit auseinandergesetzt habe: "ich habe eben einfach ein dickeres fell", die wohl mehr als wahr und erschreckend ehrlich ist...
und ulla warnte mich vor: herrn stocks mutter sieht aus wie deine mutter...... auch damit hatte ulla recht, die ersten alten fotografien der mutter hatten einen gewissen gänsehauteffekt, nicht zuletzt spielt der film ja in der direkten nachbarschaft meiner eltern, ich kenne lörrach, ich kenne die spazierwege wieder....und schließlich auch noch thailand... verdammt viele bilder, die ich kenne...
unglaublich, die frechheit einer pseudo-psychologin im publikum, dem herrn tips zu geben, wie er dem vater besser seine lage hätte in die empfindung bringen sollen..... manche menschen haben einfach kein gefühl für grenzüberschreitungen... wie die mutter in der diskussion abschließend sagt: man kann unterschiedlichste blickwinkel auf dieses thema haben, wichtig ist nur, daß ihr sohn es geschafft hat, seine geschichte für sich zu bearbeiten und einen weg der heilung findet... das wünscht man ihm in der tat von herzen! puh, dann auch noch der selbstmord seines damaligen lebenspartners während der dreharbeiten, also viel fällt einem da nicht mehr ein. außer, daß es menschen gibt, die einfach alles mitnehmen, was man nur an gruseligkeiten mitnehmen kann im leben... sprachlos, noch immer!
Mittwoch, 17. Februar 2010
Monga - hoch moralischer Jungsfilm

Monga ist großes Gangsterkino, das in Monga, einem alten Stadtteil Taibeis in den 80ern spielt. Der junge Moskito, Sohn einer alleinerziehenden Friseurin, kommt neu in die Schule und wird von den fiesen Mitschülern gepiesakt. Ein paar ältere Schüler beobachten, wie er sich gegen eine größere Gruppe relativ erfolgreich zur Wehr setzt und lassen ihn bei ihrer Gang mitmachen.
Red, White & the Green

Ein ganz anderer Dokumentarfilm ist Red, White & the Green von Nader Davoodi aus dem Iran. Der hat mit einer kleinen unauffälligen Kamera die Wochen vor der Wahl im Juni 2009 Leute gefragt, wer sie sind, ob und was sie wählen werden, und was sie tun werden, wenn ihr Kanditat nicht gewinnt. Das ist total interessant, denn er fragt an vielen Orten, ganz oft auf der Straße bei Demonstrationen und Autokorsos. Richtiges Kino wird aus diesem Projekt, das auch ein journalistisches sein könnte, dadurch, dass er die Farben bis auf grün herausnimmt. Es ist also ein schwarzweißfilm, in dem alles, was grün ist - manchmal auch rot - bunt erscheint. Es ist - vor allem im Nachhinein - tatsächlich bewegend zu sehen, wie optimistisch viele der Anhängerinnen und Anhänger der grünen Bewegung sind. Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, dass ihr Kandidat nicht gewinnen wird. Der Film ist nicht besonders lang, durch die vielfältigen ganz direkten Stimmen und die besondere Farbtechnik aber ganz besonders.

