Freitag, 19. Februar 2010
Shahada
Ein Kammerspiel - Vor- und Nachspann sind wunderbar. Thematisch in Relation zu 'Die Fremde' - wenn es dort um Tatsachen geht, geht es hier um Fragen. Während 'Die Fremde' in einer konservativ-stringenten und damit filmisch unspektakulären Form abläuft, ist 'Shahada' weitaus komplexer konstruiert. Im Mittelpunkt stehen die Ereignisse um lose durch das Leben miteinander verbundene Protagonist-inn-en, die alle auf der Suche nach ihrer persönlichen Lösung für Lebens- und Glaubensfragen sind. Eingeteilt werden diese Ereignisse und ihre In-den-Blick-Nahme in verschiedene Kapitel, die Namen haben, die aus der islamischen Glaubenspraxis kommen (Shahada = Vater-Unser... das stimmt vielleicht nich ganz, gibt aber die Richtung ganz gut an).
Dienstag, 16. Februar 2010
Tage nach der Eröffnung
Der offzielle Eröffnungsfilm war auch meiner: Tuan Yuan von Wang Quan'an im Kiezkino Odeon. Es wurde extra ein kleiner roter Teppich mit Scheinwerfern aufgebaut. Der Teppich dann sogar mit irgendwelchen roten Krümeln bis zur Bordsteinkante verlängert. Regisseur, Hauptdarstellerin, Kameramann und Produzent kamen schon vor der Vorstellung auf die Bühne und berichteten davon, wer wem während der Dreharbeiten das leckere Essen wegstibitzt hat.
Der Film handelt von einer verlorerenen und wiedergefundenen Liebe: der taiwanesische Veteran Lao Yuan kommt nach über 50 Jahren zurück nach Shanghai, wo er 1949 seine schwangere Liebste am Hafen verpasst hat und alleine nach Taiwan geflohen ist. Die ist inzwischen mit einem anderen Mann alt geworden und hat außer dem gemeinsamen Sohn noch zwei erwachsene Töchter und eine entzückende erwachsene Enkelin. Der Heimkehrer wird herzlich willkommen geheißen, es gibt ein tolles Essen nach dem anderen. Schon nach kurzer Zeit verkündet er seiner Jugendliebe, weshalb er gekommen ist: um sie mit nach Taiwan zu nehmen. Er fragt nicht, er verkündet. Sie ist gar nicht überrascht, sondern fragt sich nur, wie sie das ihrem Mann beibringen soll, denn der ist schließlich ein Guter.
Vorsicht, schwere Spoiler nach dem Klick. Sorry, ich muss es hinschreiben, aber ein Detail in der Schlussszene vergesse ich sonst bestimmt...
Mittwoch, 11. Februar 2009
London River
Hier geht es um ein weiße Engländerin (die tolle Brenda Blethyn) und einen Afrikaner aus Frankreich (?), die nach den Anschlägen vom 07.07.2005 in London ihre erwachsenen Kinder suchen und dabei feststellen, dass die beiden ein Paar waren (was für beide Eltern zunächst undenkbar und ein ziemlicher Schock ist). Der Film ist karg, sehr traurig und nicht sentimental. (Sogar der notorisch übelgelaunte Jens Balzer findet das in der Berliner Zeitung). Besonders bitter ist, dass die Eltern, die beide in der Natur arbeiten (sie als Bäuerin, er als Förster), vom Leben ihrer Kinder und der Realität einer Großstadt überhaupt keine Ahnung haben.
Dem Fimtitel muss ich noch nachgehen. Einen London River gibt es meines Wissens nicht. Es muss der Fluss der Stadt durch die Zeit gemeint sein. Oder das Zusammenfließen aller möglichen Menschen, Geschichen und Kulturen zu einem gemeinsamen, breiten Metropolen-Fluss. Oder sowas Metaphysisches.
Sonntag, 17. Februar 2008
Be Kind Rewind - Der Film-Film zur Berlinale
Zum Abschluss im Berlinale-Palast (auch erster Rang ist Mist) noch ein wenig Meta-Kino: Be Kind Rewind macht Spaß - bei versuchter Sabotage im Elektrizitätswerk wird Jerry magnetisiert und löscht versehentlich alle Videobänder der Videothek, in der sein Kumpel Mike den Besitzer vertritt. Um das zu vertuschen basteln sie lustige Remakes. Es wird sogar ein Verb dafür erfunden, sie werden "geschwedet". Selbstverständlich taucht auch die Vertretung der Filmindustrie auf, die hart gegen Piraterie durchgreifen will und natürlich nichts verstanden hat. Danach werden die Jungfilmer erst richtig kreativ... Sicher kommt der Film ins Kino und sicher fällt er nicht unter die Rubrik, deshalb-muss-es-einfach-die-Berlinale-geben. Dennoch: Als Film-Film doch geeignet, dass sich das Publikum auf lustige Weise seiner Liebe zum Kino versichert.
Auf der Website können geschwedete Kostproben angeschaut werden.
Mittwoch, 13. Februar 2008
Kleines Kino im Wettbewerb: Happy-Go-Lucky
Poppy ist die Frohnatur aus dem Titel: 30, unerhört gut gelaunt, witzig, bunt, nicht annähernd dabei erwachsen zu werden - und geht manchen damit auf die Nerven. Vielleicht ist ihnen so viel Frohsinn auch einfach nur unheimlich. Sie wohnt mit ihrer Freundin zusammen, geht gerne aus, ist Grundschullehrerin und auch im Job lustig und beliebt. Einen Mann gibt es nicht. Außerdem versucht sie Fahrstunden zu nehmen, bei einem sich von der Welt verfolgt fühlenden Fahrlehrer mit merkwürdigen Lehrmethoden.
Man-jeuk - Sparrow
Johnnie To, diesmal nicht im Forum, sondern im Wettbewerb mit Sparrow. Eine Kleinstbande von Taschendieben wird von einer geheimnisvollen Frau dazu gebracht ihr zu helfen. Schön ist das alles anzusehen: der Chef fährt Fahrrad - manchmal auch mit seinen Kollegen zu viert. Kein Wunder, dass da das Rad zusammen bricht. Radfahren scheint in Hongkong so abwegig zu sein, dass es nicht notwendig ist, das Rad jemals ab- oder gar anzuschließen. Außerdem fotografiert er in seiner Freizeit die Stadt mit alten Kameras in Schwarzweiß. Das ist schön und ergibt Bilder, die mir wie das Hongkong von vor über zwanzig Jahren vorkommen. Es gibt auch eine tolle Regenschirm-Choreographie.
Montag, 11. Februar 2008
Lake Tahoe - Schrecken der Schwarzblende
Die erste Entdeckung in Lake Tahoe war, dass es ein Stilmittel gibt, das mich fast so sehr nervt wie die zum Glück wieder aus der Mode gekommene Wackelkamera: die Schwarzblende. Bereits in der ersten Minute habe ich mich gefragt, ob der Projektor kaputt ist. Nein, war er nicht, die ersten Bilder sind zu sehen, statische Einstellungen mit vollkommen unbewegter Kamera. Ein Auto fährt durch's Bild - schwarz. Im Dunkel kracht's (gegen einen Masten, wie wir gleich sehen werden). Nächstes Bild: ein Mann geht gemächlich einmal von links nach rechts durchs Bild - schwarz. Wie das Vorführen von Urlaubsdias. In der taz schreibt Dietmar Kammerer (der, Vorsicht: zu viel, nämlich den ganzen Film ausplaudert), die Schwarzblende rhythmisiere. Mir setzt jedes Mal fast der Atem aus und ich muss zwanghaft die Dauer mitzählen - nach sehr subjektiver Schätzung sind bestimmt 10 Minuten des Films schwarz. Kann sein, dass das nicht stimmt.Als ich mich dann doch auf die Bilder einlasse, finde ich sie wunderschön. Grelles Licht, tolle Farben und eine Geschichte, die langsam in Gang kommt, gemächlich bleibt und dennoch ausreichend merkwürdige Figuren zeigt, um richtig gerne zuzusehen. Juan, der Junge, der Vaters Auto gegen den Masten gesetzt hat, versucht Hilfe zu bekommen, es wieder in Gang zu kriegen. In der öden Stadt gibt es erstaunlich viele Werkstätten mit blumigen Namen, aber nicht so leicht ein Ersatzteil.
Über diesen Film darf man eigentlich gar nichts erzählen, denn das Schöne ist tatsächlich zuzusehen, wie erst ganz allmählich deutlich wird, was mit Juan los ist und was in diesen 24 Stunden mit ihm geschieht. Nur so viel: es ist einer der Filme, die eine Leichtigkeit und Heiterkeit erzeugen, die selbst noch in der Spätvorstellung kurz vor Mitternacht in der Urania wirken.
Samstag, 17. Februar 2007
Pingguo - Lost in Beijing
Eben fand sich eine SMS auf dem Telefon: "Und der beste Film war: Pingguo!" Jetzt bin ich nicht ganz sicher, ob das ironisch gemeint war oder nicht, denn eigentlich fand ich ihn weder überragend gut noch überragend schlecht.
Im Taz-Interview berichtet die Regisseurin Li Yu, dass das Leben in China noch viel härter ist, als sie es in ihrem Film Pingguo - Lost in Beijing beschreiben konnte. Kann schon sein, schön ist es auch im Film nicht. Die vom Land zugewanderten Liu Pingguo und An Kun arbeiten als Fußmasseurin bzw. Fensterputzer, der Neureiche Lin Dong besitzt den Fußmassagesalon, seine Frau Wang Mei einen Schönheitssalon...

