Sonntag, 21. Februar 2010
Dooman River
Dooman River zeigt den Winter an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze. Der Tumen-Fluss ist zugefroren, hungernde Nordkoreaner kommen nach China um etwas zu essen aufzutreiben. Die Leute auf der chinesischen Seite gehören fast alle zur koreanischen Minderheit, und anfangs geben sie den Hungernden gerne etwas. Problematisch wird es, als die nicht nur das nehmen, was ihnen freiwillig gegeben wird, und das ist nicht nur Essen. Leider leichte Spoiler nach dem Klick (aber ohne Schluss) ...
Donnerstag, 18. Februar 2010
Sukunsa viimeinen
Die letzte ihrer Familie läuft im Kinderprogramm. Neko ist eine Nenet, die in den 60er Jahren in der Tundra ihre frühe Kindheit verbracht hat. Heute ist sie eine ältere Dame, trägt eine farbenfrohe Bluse, sitzt vor einer Teetasse in einem Holzhäuschen und erzählt von früher. Da lebte die Familie in einer Art Jurte, Großmutter und Großonkel sind Schamanen, die Mutter ist lange im Krankenhaus, und als sie zurück kommt, will sie, dass Neko zur Schule geht. Dort ist es nicht schön, es gibt Brei statt Fisch, zum Zählen benutzt man Zahlen anstatt Rentiere und Fische, und als sie einen "roten Traum" hat, läuft sie weg, um zu Hause davon zu erzählen.
Der Unterschied zwischen der Welt, die es schon gar nicht mehr gibt, und dem Leben, das Neko, mit russischem Namen Nadya, dann geführt hat, ist gewaltig. Sie erzählt davon ohne Bedauern, sie hat einen anderen Weg gewählt und singt andere Lieder als das Schamanenlied, "das in ihrem Herzen schläft". Der Film impliziert aber etwas ganz anderes, dadurch, dass nur die schwierige Eingewöhnungszeit in der Schule gezeigt wird, erscheint die russische Welt als die unfreundliche, hässliche, so dass die Zuschauerin den Untergang der anderen Kultur sehr wohl bedauert.
Leider hat die sehr kleine Regisseurin, die auch aussieht, als gehöre sie zu einem Tundravolk, die Frage- zu einer Singstunde umgewandelt, so dass sie nicht gefragt wurde, ob die Geschichte von Neko auch ihre ist.
Dienstag, 16. Februar 2010
This way of life
Hoffentlich kommt DER in die Kinos - Bitte nicht verpassen! Der Ausgangspunkt für das dokumentarische Projekt über eine Familie in Neuseeland - die man landläufig wohl als 'Aussteiger' apostrophieren würde - waren Pferde, die Domestizierung von Pferden, der Umgang mit ihnen und es wurde ein anrührender Film über anrührende Menschen, ihre Glücksvorstellungen, über Erziehungsfragen oder die Fragen des Lebens: was ist ein gutes Leben, was ist guter Umgang mit sich und anderen Lebewesen, was ist Erziehen, was ist das Wunderbare am Leben mit Kindern, am Leben mit und in und von der Natur und ihren Geschenken. Beeindruckende Bilder von Landschaften, von Menschen! Der deutsche Filmtitel: Wie wir leben - war ein weiterer Glücksfall.
Sonntag, 14. Februar 2010
Neukölln unlimited: vermutlich unverzichtbar für Einheimische...
... und hingehn, wenn man gerne in Berlin lebt. Die Filmcrew auf der Bühne und mit ihrem Publikum (Fanclub?) zu erleben, ist schon was. Ein Film, der über weite Strecken vergessen lässt, dass es sich um eine Doku handelt, so spannend ist er... und die Frage kam dann auch gleich hinterher: obs nicht ne Fortsetzung geben könnte oder die vielleicht schon in Planung sei. Die Dramatik des Lebens der ProtagonistInnen und die Menschlichkeit der tragenden Personen beeindruckt und findet für mich in der spannungsreich konstruierten Doku einen gelungenen Rahmen. Läuft in 'Generation', tät für mich aber auch ins Panorama, zum Forum und eigentlich auch in den Wettbewerb passen.
Sonntag, 22. Februar 2009
Noch nicht besprochen: Niloofar
Ursprünglich sollte der Film wohl im Libanon gedreht werden, wo aufgrund des Themas keine Drehgenehmigung erteilt wurde, und ist dann letztendlich im Grenzgebiet von Iran und Irak mit dortigen Laiendarstellern zustandegekommen.
Noch nicht besprochen: Mommo
In einer ungefähren Jetzt-Zeit spielende Geschichte nach einem Ereignis vor 50 Jahren um zwei Kinder auf dem Land, die beim Großvater aufwachsen, nachdem die Mutter verstorben und der Vater wieder verheiratet ist. Als der Großvater langsam begreift, daß es schwierig werden könnte, noch vor seinem Tod die Kinder zur Tante nach Deutschland zu bringen, gibt er das Mädchen in die Hände einer angeblich liebevollen Familie, die sie als Hausangestellte beschäftigen will. Ein Kammerspiel um Liebe, Tod und Einsamkeit.
Samstag, 14. Februar 2009
Snijeg
Snijeg spielt in einem kleinen ziemlich stark zerstörten bosnischen Dorf, in dem nur noch sechs Frauen, ein alter Mann und ein paar Kinder zurück geblieben sind. Zur Unterhaltung machen sie Ratespiele: eine stellt pantomimisch einen der Verschollenen des Dorfes dar, die anderen raten, wer es ist. Es wächst viel Obst und Gemüse und die Frauen kochen riesige Mengen von Pflaumenmus, Paprika und allem möglichen ein. Der Plan ist, die Konserven zu verkaufen und ein Geschäft aufzuziehen - halb Bosnien zu versorgen, oder sogar halb Deutschland. Zunächst wird jedoch der Warenbestand versehentlich von einem Laster kaputt gefahren. Vielleicht ein Glücksfall, denn der Fahrer stellt in Aussicht, künftig beim Vertrieb behilflich zu sein.
Wie traumatisiert alle sind, wird erst nach und nach deutlich: da gibt es den Jungen, der nicht spricht, und dem jede Nacht in seinen Alpträumen die Haare bis auf die Schultern wachsen. Die Situation spitzt sich zu, als Investoren auftauchen, die das gesamte Land des Dorfes kaufen wollen. Wäre wegzugehen eine Option? Womöglich die bessere? Aber dann ist plötzlich die unbewältigte Vergangenheit ganz präsent, für den Flickenteppich der Großmutter, für den sie den ganzen Film über Stoffe mit der Schere zerschneidet und dann am Webstuhl verwebt, findet sich eine sehr wundersame Verwendung, und alles kommt ganz anders.
Snijeg ist einer der Filme, die für mich den Zauber der Berlinale ausmachen: etwas über die Welt erfahren, eine Geschichte neu und anders gezeigt bekommen, sich anrühren und überraschen lassen.
Dienstag, 10. Februar 2009
wer sich für die schönheit dieser erde begeistert und asien liebt, sollte 'Lalas Gun' nicht verpassen...
aber wahrscheinlich kommt dieser film sowieso ins kino! betörend schöne bilder einer kulturlandschaft wie aus dem coffee-table-book, reisterassen, alte trutzige holzhäuser, menschen in schöner traditioneller kleidung mit viel liebevoll dekoriertem hausrat und beeindruckend schön gestalteten alltagsgegenständen werden in einer beeindruckenden fabel über das gelingen von leben im einklang mit natur und mitmenschen gezeigt. im mittelpunkt steht die mann-werdung eines jungen aus dem volk der miao in wäldern im südwesten chinas, das sich (noch) von den verlockungen des technischen fortschritts fernzuhalten und die eigene kultur in einer oralen tradtition zu retten versteht... ein professionelles din-a5-handout zum film des chinesischen regisseurs gibt es in englisch gleich am kino-eingang und regisseur und hauptdarsteller gehen routiniert mit dolmetscherin und interview-situation im generation-programm um.

